All for One Steeb: Digitalisierung braucht auch Realismus

All for One Steeb

Der Filderstädter, auf SAP spezialisierte IT-Dienstleister All for One Steeb blickt bei der Vorlage der Bilanzzahlen immer auch auf die Digitalisierung im  Mittelstand. Fazit: Der Wandel braucht hier viel Realismus.

Wenn es um das Thema  Digitalisierung geht,  ist Tempo angesagt. So entsteht in der öffentlichen Debatte manchmal den Eindruck, es fehle nur noch ein Knopfdruck – und die deutsche Wirtschaft katapultiert sich  in neue Sphären. Bevor es so weit komme, stünden noch etliche Hausaufgaben an, sagt Lars Landwehrkamp,  Chef  des Filderstädter IT-Dienstleisters All for One Steeb, der vor allem Mittelständler aus dem deutschen Sprachraum betreut. „Wir treffen immer noch auf Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 500 Millionen Euro, die mit Microsoft-Excel organisiert sind,“ sagte er bei der Vorlage der Bilanzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Mit einem Gewinnplus von 52 Prozent auf 11,5 Millionen Euro und einer Umsatzsteigerung von elf Prozent auf 242 Millionen Euro ist die Firma ein Profiteur der Digitalisierung.
Der digitale Wandel erreiche mittelständische Firmen  manchmal weniger aufgrund großer Visionen oder aus Angst vor digitaler Konkurrenz, sondern aus ganz menschlichen Gründen: „Da geht der IT-Leiter in den Ruhestand – und mit ihm verschwindet das Wissen über die in vielen Jahren gewachsenen Strukturen im Rechenzentrum. Oder es gibt einen Wechsel in der Unternehmensführung – und der junge Chef denkt nicht mehr  in den Kategorien  Blech und Maschinen, sondern in Geschäftsmodellen.“

All for One Steeb wirbt für  kleine Schritte statt großer Sprünge

Während große Beratungsunternehmen  ihren Kunden gerne zum ganz großen Sprung beim Umbau  der IT rieten, plädieren die Experten der Bernhausener Firma oft für ein abgestuftes Vorgehen: „Ein Mittelständler macht eine solche Umstellung besser in mehreren Wellen.“    Wer zu viel auf einmal wolle, der überfordere   sonst  sein nur begrenzt vorhandenes Personal.
Das auf die Betreuung von Produkten des Walldorfer Softwarekonzerns SAP spezialisierte Unternehmen erlebt in seiner täglichen Arbeit den Spagat zwischen dem Bewusstsein, dass sich die deutsche Wirtschaft  radikal verändern muss und der Schwierigkeit,  bisherige Denkmuster   zu verlassen. „Wir sind beim Thema Industrie 4.0 viel zu sehr auf die Produktion fixiert“, sagt Landwehrkamp: „Die Firmen müssten sich noch viel stärker fragen: Was können wir künftig über unsere Kunden wissen?“ Das immer wieder  als Beleg für die so genannte Industrie 4.0  genannte Beispiel, dass eine Herstellerfirma dank der neuen Datenfülle ihre Maschinen nun  vorausschauend warten kann, reiche eben nicht.
Bisher sind  selbst die Pioniere im Mittelstand  erst noch  dabei, möglichst viele Daten zu sammeln und  überhaupt darüber nachzudenken, welche neuen Fragestellungen  möglich sind. Bis zur echten Integration in Geschäftsprozesse sei es noch ein Stück Weges, sagt Landwehrkampf: „Die Konsumgüterindustrie, die mit Kunden zu tun hat, die sich selbstverständlich in der modernen Kommunikationswelt bewegen, ist da naturgemäß weiter als der Maschinenbau.“   Noch gibt es auch keine Standards für die Maschinendaten – mit dem Ergebnis, dass sich manche Produktionsfirmen  an eigenen Lösungen versuchen.

Skepsis gegenüber von Produktionsfirmen lancierter IT

Landwehrkamp nannte das aktuelle Beispiel des Autozulieferers Dürr, der  ein  IT-Unternehmen  gekauft hat, um beim Thema Produktionssteuerung großen Konkurrenten wie SAP und Siemens Paroli zu bieten. Er ist allerdings skeptisch, ob sich solche Konzepte  durchsetzen werden: „Am Ende werden auch in diesem Bereich die großen Plattformen dominieren.“  Selbst ein IT-Gigant wie SAP, der bisher auf   Unternehmenssoftware spezialisiert war, muss allerdings erst den Umgang mit den Daten  aus der Fabrik lernen.
Aber auch beim bisherigen Softwareangebot von SAP bleibt zurzeit  kein Stein auf dem anderen.  Der Walldorfer Konzern hat in diesem Jahr damit begonnen, seine gesamte Software auf eine ultraschnelle,  innovative Datenbank auszurichten. Die Kunden sehen zwar die Vorteile der  neuen Rechenmöglichkeiten. Doch über die Jahre hinweg hat  All for One Steeb branchenspezifische Einzelanwendungen entwickelt, die nun  angepasst werden müssen. Auch hier ist das Stichwort Tempo relativ: Auf eine während der Bilanzpressekonferenz von einem Vertreter des Maschinenbaus gestellte Frage nach der Umstellung hatte Landwehrkampf eine beruhigende Antwort. „Die Unterstützung für das bisherige SAP-System ist bis 2025 garantiert.“ Das ist für IT-Leute mehr als  eine Ewigkeit.
Die Umstellung wird wegen der intensiven Vorbereitung der Mitarbeiter auch bei dem IT-Dienstleister 2016 Spuren in der Bilanz hinterlassen. Bei All for One Steeb ist ein operatives Ergebnis  in Höhe dieses Jahres geplant.  „Wenn ihre Mitarbeiter in der Schulung sind, können sie keine Umsätze machen – das ist bei Dienstleistern nun einmal so“. sagt Landwehrkamp.

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Bild: Lars Landwehrkamp
Quelle: All for One Steeb

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