Bei IBM-Tochter drohen Entlassungen

IBM

Was hat ein Bericht wie dieser, den ich für die Stuttgarter Zeitung verfasst habe,  auf einem Innovationsportal zu tun? Er zeigt, was passiert, wenn ein großer Konzern wie IBM, der schon einmal beinahe den  Trend zum PC verpasst hat, von einer neuen Innovationswelle, diesmal hin zum Cloud-Computing, überrollt wird.

IBM D EAS GmbH, das ist eines der vielen verwirrenden Kürzel, mit denen der amerikanische IT-Konzern IBM auch in Deutschland seine zahlreichen Einzelgesellschaften schmückt. Das Tochterunternehmen ist mit seinen nach vielen Umstrukturierungen noch verbliebenen, rund 110 Mitarbeitern relativ klein. Dennoch könnte die Zweigfirma, bei der knapp 90 Mitarbeiter in der Ehninger Deutschlandzentrale beschäftigt und ansonsten auf kleine deutsche Standorte verteilt sind, nach Meinung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zum Menetekel werden. Erstmals nach der großen Krise des Konzerns vor mehr als zwanzig Jahren, drohen bei IBM Deutschland Entlassungen. „Bisher hat IBM immer auf das Image
eines sozialen Arbeitgebers geachtet – das scheint nun vorbei zu sein“, sagt der Verdi-Konzernbetreuer Bert Stach. Zwar hat der Konzern in den vergangenen Jahren fast permanent Personal abgebaut. „In der Regel waren die Abfindungsangebote anständig, manchmal sogar großzügig“, sagt Stach.
In Deutschland ist die Mitarbeiterzahl binnen zehn Jahren von 22 000 Mitarbeitern auf jetzt noch 15 000 bis 16 000 geschrumpft. Dass im Fall der IBM D EAS GmbH nicht von Anfang an nach Anschlussverwendungen für die Mitarbeitergesucht wurde, kann er sich nur mit knallharten Vorgaben erklären. Die Mitarbeiter jedenfalls seien hochqualifiziert, denn in der IBM D EAS GmbH wurden immer wieder intern innovative Anwendungen er probt, bevor man sie den Kunden anbot. „Wenn die Mitarbeiter irgendwo anders im IBM-Konzern in Deutschland unterkommen, dann ist das vorgegebene Abbauziel aus der Konzernzentrale in den USA nichterreicht“, sagt Stach.

Die Schließung der Tochtergesellschaft ist für IBM der einfachste Weg

Die Mitarbeiter in der erst nach vielen Umstrukturierungen so klein gewordenen GmbH haben das Pech, dass eine vollständige Betriebsschließung im deutschen Rechtsrahmen die einfachste Möglichkeit ist, Arbeitnehmer zu entlassen. Deshalb sprach IBM in der knappen Begründung der Maßnahme auch von der „Einstellung der Geschäftstätigkeit“. IBM falle so nicht unter die gesetzliche Pflicht, einen Sozialplan zu erstellen, sagt der Gewerkschafter. Seit einigen Tagen laufen Verhandlungen mit dem Betriebsrat, in dem erst einmal ein sogenannter Interessenausgleich versucht wird. Hier geht es noch nicht um Lösungen für die einzelnen Mitarbeiter, sondern darum, dass das Unternehmen seinen Schritt begründen muss und der Betriebsrat ein Gegenkonzept vorlegen kann. Ziel der Betriebsräte ist die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter im Konzern.
Doch bis jetzt gibt es keine Anzeichen, dass die Geschäftsleitung von dem Plan zu Entlassungen abrückt. Eine dürre Mitteilung ist das Einzige, was von Unternehmensseite zu erhalten ist: „Das Management der IBM Enterprise Application Solutions GmbH hat die Mitbestimmungsgremien aufgefordert, in Verhandlungen einzutreten und den betroffenen Mitarbeitern die Absicht mitgeteilt, die IBM EAS GmbH zu schließen.“ Eine Begründung für die Schließung wird nicht mitgeliefert. Doch sollen die „internen Dienstleistungen“, von denen das Unternehmen spricht, offenbar von billigeren ausländischen Standorten übernommen werden.
Für Verdi geht es nicht nur um die betroffenen, häufig langjährig beschäftigtenAngestellten der Tochtergesellschaft. „Es gibt unter den Mitarbeitern von IBM die große Sorge, dass dies ein Testballon ist“, sagt der Verdi-Betreuer. Die Zeiten bei IBM werden offenbar härter. Nachdem das Unternehmen, wie der Verdi-Mann kritisiert, über Jahre alles getan habe, um seine Anteilseigner zufriedenzustellen, aber zuwenig in die Zukunft investiert habe, wachse nun auch der Druck auf die deutsche Tochtergesellschaft. Dabei gehört die deutsche Landesgesellschaft zu den erfolgreichen im Konzern. Man sei in Deutschland „gut gerüstet“, undes gebe ein „solides operatives Ergebnis“, hieß es in diesem Jahr in einer internen IBM-Mail. Die Empörung unter den deutschen Arbeitnehmern ist deshalb umso größer. Eine Protestresolution gegen die Pläne unterzeichneten bisher rund 3000 Mitarbeiter, also knapp ein Fünftel der deutschen Belegschaft. Ein Versuchsballon ist es wohl auch, ob die relativ kleine Schließung über die Bühne geht, ohne groß öffentlich Wellen zu schlagen.

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