Cebit 2016/1: Fallbeispiele statt abstrakter Bytes

CebitDie Halle für Drohnen war ein Highlight der Tour für Journalisten; Foto: Cebit

Die Cebit weiß, dass sie trotz Spezialisierung auf Firmenthemen die gesellschaftliche Debatte im Auge haben muss. Objekte zum Anfassen wie  Drohnen und Roboter sowie  mehr Begegnungsplattformen sollen sie attraktiver machen.

Die IT-Branche ist überzeugt, dass sie den Nutzen der Digitalisierung  besser begreifbar machen muss. Nur so könne  die  in Deutschland vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen, aber auch unter vielen Arbeitnehmern verbreitete Zurückhaltung    überwunden werden. „Die  Digitalisierung zum Anfassen ist gerade in Deutschland wichtig“, sagte Oliver Frese, Vorstand der veranstaltenden Deutschen Messe AG, zum Auftakt der IT-Messe  Cebit in Hannover.
Der IT-Branchenverband Bitkom präsentierte  vor Beginn der Messe  ernüchternde Zahlen zum digitalen Fortschritt. So glaubten laut einer  Umfrage des Verbands  nur 58 Prozent der Firmen in Deutschland, dass     ihre Mitarbeiter für die Digitalwelt  gewappnet seien,  sagte  Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder am Sonntag. Vier von fünf  Firmen in  Deutschland verwendeten noch sehr häufig oder häufig das Faxgerät. Lediglich 15 Prozent nutzen  soziale Netzwerke. „Fax statt sozialer Medien– diese Zurückhaltung symbolisiert den zögerlichen Ansatz vieler Unternehmen beim digitalen Wandel“, sagte Rohleder.

Die Cebit versammelt eine Rekordzahl an 400 Startups

„Der Mensch als Entscheider und Gestalter“ ist deshalb das  Leitmotiv der diesjährigen Cebit in Hannover. Die weltgrößte  IT-Messe  hat ihr Profil an vielen Punkten umgekrempelt – weg vom Charakter einer Computermesse und hin zu einer Plattform, die den digitalen Wandel in der gesamten Gesellschaft in den Mittelpunkt rückt. „Mit rund 500 praktischen Anwendungsbeispielen  sind in diesem Jahr so viele auf der Messe zu besichtigen wie nie zuvor“, sagte Messevorstand  Frese.   Dazu gehört  unter anderem erstmals eine Halle, in der Drohnenflüge demonstriert werden. Die Messe versucht sich gleichzeitig stärker als Vernetzungsplattform insbesondere für junge Unternehmen zu profilieren. Mit 400 Startups, davon 300 in einer eigens für sie konzipierten Halle, sind  2016 so viele Gründer-Unternehmen in Hannover vertreten wie  nie zuvor.
Auch die Aussteller haben sich  bemüht, Objekte  zum Anfassen zu präsentieren. So symbolisiert der  Mobilfunkanbieter Vodafone unterschiedliche Übertragungsgeschwindigkeiten  mit Originalfahrzeugen vom Oldtimer, stellvertretend für die  einstige Analogübertragung mit 56 Kilobit pro Sekunde, bis zum Supersportwagen für das aktuell angebotene Tempo von 400 Megabit in der Sekunde.
Der IT-Konzern IBM stellt unter anderem eine noch im Entwicklungsstadium befindliche App für Sehbehinderte vor. Diese führt per Sprachkommando und mit Hilfe eines  ganz normalen Smartphones im Supermarkt zum gewünschten Produkt – und kann  dank des Barcodes nicht nur den Preis, sondern auch die Inhaltsstoffe mitteilen. Neben einem Roboter sind auf dem IBM-Stand auch noch ein  Sportboot als Beispiel für die Anwendung von Datenanalysen im  Sport sowie ein  großer Traktor als Symbol für die Digitalisierung der Landwirtschaft zu finden

In einer Cebit-Halle ein smarter Weinberg mit echten Reben

Der Halbleiterhersteller Intel hat in einer Halle einen Weinberg  von der Mosel mit echten Reben  nachgebaut und zeigt  eine mit Solarenergie betriebene Sensorstation, die Winzern alle wichtigen Daten über Wachstum und Reifegrad auf jedes Mobilgerät überspielen kann.   Der Cloudanbieter  Salesforce will auf der Messe mit einer  Baumpflanzungsaktion punkten.
Die Deutsche Bahn AG demonstriert als Beispiel für ihre inzwischen systematische Kooperation mit Start-ups ein System, das mittels der Geräusche in der Schiene genau identifizieren kann, wie weit ein Zug entfernt ist. Diese Innovation lässt Schrankenanlagen  wegen der wegfallenden Kosten für  Verkabelung für die Hälfte der heutigen Kosten betreiben  und zudem mit weniger Verzögerung schließen und öffnen.
Der Walldorfer Softwarekonzern SAP präsentiert im Land des Fußballweltmeisters ein System, das  Komfort,  Sicherheit und die An- und Abfahrt für Fans im Stadion optimieren soll. Mittels Sensoren in Sitzen kann beispielsweise jederzeit erkannt werden, wie viele Plätze besetzt sind. Sogar die Vorbestellung der Wurst in der Spielpause soll damit effizienter gesteuert werden, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Transparenter werden soll auch die  Heimfahrt nach Spielende, wo etwa auf der inzwischen von vielen Vereinen genutzten Fan-App auch  Daten über die voraussichtliche Dauer des Staus übermittelt werden.

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