Corporate Startup Meetup in Stuttgart

Corporate Startup MeetupNils-Christoph Ebsen, Geschäftsführer von W&W digital in Stuttgart; Foto: Accelerate Stuttgart

Auch in Stuttgart bringen neue Veranstaltungsformate  Startups und Etablierte immer öfter  zusammen. In den Accelerate Spaces am Feuersee fand jetzt zum dritten Mal das so genannte Corporate Startup Meetup statt. 

Zum dritten Mal hat die junge Firma Accelerate Spaces in ihrem Startup-Komplex am Stuttgarter Feuersee  in einem lockeren Rahmen Vertreter von jungen Unternehmen mit Repräsentanten der etablierten Wirtschaft zusammengebracht. „Corporate Startup Meetup“ „ heißt im  Gründer-Englisch das Format, das es nicht nur in  Stuttgart, sondern auch  in Gründerstädten wie Amsterdam oder Berlin gibt. „Die Teilnehmerzahl hat sich jedesmal verdoppelt“, sagt Geschäftsführer Johannes Ellenberg: „Vielleicht müssen wir das  öfter machen als alle drei Monate.“
Nach Vorträgen und Praxisbeispielen für die Kooperation von Firmen und Gründern ist das anschließende Büfett  das Herz dieser  Veranstaltungen. Hier sollen Bekanntschaften und Kontakte zwischen den beiden Geschäfts-Kulturen entstehen, die angesichts des digitalen Umbruchs in vielen Branchen immer stärker voneinander abhängig sind. Das Treffen in Stuttgart ist  nur eines der immer zahlreicheren Veranstaltungs- und Kooperationsformate, die in der Region Stuttgart in jüngster Zeit aus dem Boden  schießen.

Corporate Startup Meetup heißt übersetzt: Das Beste aus beiden Kulturen

Ein Paradebeispiel für diese neuartige Zusammenarbeit  präsentierte auf dem Corporate Startup Meetup Nils-Christoph Ebsen,   Geschäftsführer von W&W digital, eines erst im vergangenen November gegründeten,  digitalen Ablegers des  190 Jahre alten Bauspar- und Versicherungskonzerns Wüstenrot und Württembergische (W&W).    Die  Startup-Beratungsfirma Etventure ist hier mit 49 Prozent Anteilseigner.  „Wir wollen das Beste aus beiden Kulturen verbinden“, sagte Ebsen.
Die Zentrale sitzt in Berlin, um von der Dynamik und Schnelligkeit der dortigen Startup-Metropole zu profitieren. Andererseits  gibt es auch eine  Außenstelle in Stuttgart: „Wir wissen hier, wie Versicherungen funktionieren. Wir kennen die Regulierungsanforderungen, das kann ein Startup  nicht,“ meinte Ebsen.

Zum Kundeninterview buchstäblich auf die Straße

Beim Markttest neuer Digitalprodukte tat man genau das, was  Startups auch machen: Man ging für Interviews mit potenziellen Kunden buchstäblich vor die Tür, um  zu erfahren, welche Probleme der Mann oder Frau auf der Straße im Alltag hat. Dann testete man einige Produkte erstmal unverbindlich im Internet. „Ich muss manchmal den Kollegen in der Firma beibringen, dass wir nicht eine neue Art von Marketingfirma sind, sondern dass  jeder Mitarbeiter auf diese Weise hin zu den Kunden gehen muss“, sagte Ebsen. Ob neue Produkte  bestehende Geschäfte kannibalisierten, sei egal: „Es ist besser, wenn wir das selber tun, als dass es andere machen.“
Oliver Böpple von der  Beratungsfirma Youse demonstrierte, wie man im Rahmen des sogenannten Design Thinking, in insgesamt drei schnellen, erst einwöchigen, dann vierwöchigen und zuletzt dreimonatigen „Sprintphasen“ vom Konzept bis zum Markttest eine Produktidee mehrfach  durchspielt, bis sie zu den Bedürfnissen der Kunden passt.  Angesichts  der wachsenden Komplexität und des immer schnelleren Tempos von Innovationen seien bisherige Planungsinstrumente wie Marktstudien und Projektgruppen obsolet.
„Vereinfachen und Vermenschlichen“ laute das Prinzip, wenn es darum gehe, die Probleme einzukreisen, für die man  anschließend  Produkte entwickle, sagte Böpple. Man könne nicht simpel genug anfangen. Er nannte als Beispiel Zipcar, einen großen Carsharing-Anbieter aus den USA. Der habe im Jahr 1999 mit einem einzigen Auto den Markt getestet. Sogar die per Code zu öffnende High-Tech Schlüsselbox sei erst mal nur eine Attrappe gewesen: Das erste Mietauto war  offen.“

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