Daimler vernetzt Lastwagen übers Internet

Daimler; LastwagenDrei Mercedes-Benz Lastwagen fahren teilautomatisiert in Formation; Foto: Daimler

Daimler investiert eine halbe Milliarde Euro in Angebote rund um die Digitalisierung. Durch Frachtbörsen mit Daten aus  den Lastwagen können  Logistikbetriebe die Fahrzeuge besser auslasten. Auffahrunfälle und Staus werden vermieden.

Jeremy Rifkin geriet am Ende seiner Tour d’horizon zur Auswirkung des Internets auf Wirtschaft und Gesellschaft geradezu ins Schwärmen: „Daimler hat einst das Auto erfunden. Nun bringt Daimler das Internet in die Transportwirtschaft, womit die Produktivität steigt, die Kosten sinken und – was am wichtigsten ist –  die Belastung der Umwelt verringert wird.“ Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard griff diese Vorlage des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers und Zukunftsautors bei der Präsentation der jüngsten Pläne des Autokonzerns in Düsseldorf dankbar auf. Daimler habe nicht nur den Pkw erfunden, so der Chef der Truck-Sparte der Stuttgarter, sondern vor genau 120 Jahren auch den Lastkraftwagen. „Jetzt beginnt die digitale Ära –  und wieder zeigen wir bei Daimler den Weg auf“, verkündete Bernhard. Der Stuttgarter Konzern verfügt dafür nach Einschätzung des Daimler-Vorstands über eine gute Ausgangsbasis. Weltweit seien bereits rund 365 000 Nutzfahrzeuge von Daimler über die Telematiksysteme Fleetboard und Detroit Connect miteinander vernetzt.
Die Tochter Fleetboard bietet Systeme an, die eine Vielzahl von Daten über den Zustand oder die Position von Fahrzeugen sammelt und per Mobilfunk in die Zentrale von Speditionen überträgt. Detroit Connect offeriert  in Nordamerika beispielsweise eine Ferndiagnose bei sich abzeichnenden Störungen. Der Fahrer erhält eine E-mail, mit der ihm mitgeteilt wird, ob er gleich die nächste Werkstatt ansteuern soll oder den Fehler bei der nächsten regulären Wartung beheben lassen kann.
Aus der Vielzahl von Daten, die ein Truck senden und empfangen kann, entstehen nach Darstellung des Unternehmens viele neue Möglichkeiten für die Logistikbranche. Die   Lastwagen von Daimler haben heute 400 Sensoren, die eine Vielzahl von Daten erfassen, die Software besteht aus 130 Millionen Zeilen Code – angeblich mehr als bei einem Jet.

Daimler will die Leerfahrten massiv verringern

Durch neue Frachtbörsen auf der Basis von Daten aus dem vernetzten Lkw sollen Logistikunternehmen ihre Fahrzeuge besser auslasten und Leerfahrten reduzieren können. Bisher sind laut Daimler etwa ein Viertel aller Fahrten Leerfahrten. Durch die Verfügbarkeit und den Austausch von Verkehrsdaten in Echtdaten sollen auch Auffahrunfälle und Staus vermieden werden. Zudem sollen sich durch den Austausch von Echtdaten beispielsweise die Wartezeiten beim Be- und Entladen ebenso wie die Servicezeiten verringern lassen. Die Werkstatt kann die benötigten Teile bei einem verbesserten Informationsfluss rechtzeitig bereitstellen.
Schließlich bieten sich auch Vorteile für den Fahrer, wenn die Parkplätze und Raststätten informationstechnisch aufgerüstet werden. Dann kann er rechtzeitig einen Platz für die Nacht buchen. Heute muss er entweder früher als notwendig einen Parkplatz ansteuern um auf der sicheren Seite zu sein oder er riskiert eine Strafe, wenn alle Plätze belegt sind und der Trucker länger als erlaubt auf der Straße ist.
Daimler-Vorstand Bernhard kündigte an, dass allein in den nächsten fünf Jahren eine halbe Milliarde Euro in die Vernetzung der Lkw sowie die Schaffung zugehöriger Dienstleistungen und Serviceangebote   investiert werde. „Unsere Pipeline ist prall gefüllt“, sagte Bernhard. Über die Plattformen von Daimler sollen auch Dienste anderer Anbieter offeriert werden. Weil die Innovationszyklen bei digitalen Angeboten deutlich schneller sind als im Fahrzeugbau, wird zudem im April ein neuer Bereich in der Truck-Sparte geschaffen, der  für digitale Lösungen rund um den vernetzten Lkw zuständig ist. Die Leitung des Bereichs übernimmt die 41-jährige Daniela Gerd tom Markotten, die seit rund einem Jahrzehnt bei dem Stuttgarter Autobauer ist. Weibliche Führungskräfte sind auf den oberen Rängen dieser Sparte bisher selten.
Bei der Veranstaltung in Düsseldorf wurde zudem eine Weltpremiere live von der Autobahn A52 übertragen. Drei teilautonom fahrende Lastwagen wurden mit einer elektronischen Deichsel vernetzt. In der Fachsprache heißt dies „Platooning“. Dies ermöglicht, dass die Lkw 15 statt 50 Meter Abstand halten. Dies soll unter anderem den Spritverbrauch senken, weil der Luftwiderstand geringer ist. Bremssignale sollen deutlich schneller weitergegeben werden, was das Unfallrisiko senken würde.  Noch sind solche Fahrten im Konvoi mit elektronischer Deichsel hierzulande nicht erlaubt. Daimler hat für bestimmte Strecken eine Test-Ausnahmegenehmigung .

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