Deutschland beim Unternehmergeist hinten

UnternehmergeistDie Tenner-Challenge soll in Großbritannien den Unternehmergeist bei jungen Leuten wecken; Screenshot: Website

Eine Studie der EU hat einmal unter die Lupe genommen, wie in  verschiedenen Ländern  Europas bei jungen Leuten der Unternehmergeist und entsprechende Fertigkeiten gefördert werden. Fazit: Es gibt große Unterschiede.

Die Spitzenreiter beim Thema Unternehmergeist im Schulunterricht können nicht überraschen: Es sind die nordischen Länder und das sehr gründerfreundliche Estland. Von 38 untersuchten Ländern innerhalb und außerhalb der EU hatten elf ein ausgebautes Konzept für Erziehungsinhalte zum  Unternehmertum. 18 weitere erwähnten das Ziel immerhin im Lehrplan – und bei neun taucht es gar nicht auf. Die sogenannte  Eurydice-Studie  nennt Schweden, Finnland, Dänemark, Finnland, Dänemark, Norwegen und Estland vorbildlich – wenngleich auch hier die Ressourcen dafür nicht immer gesichert sind. Ein inzwischen weit verbreitetes Instrument sind Wettbewerbe zu Unternehmensthemen. In Österreich können beispielsweise Schüler, die in einer beruflichen Ausbildung sind, zusammen mit Mentoren Geschäftsideen entwickeln oder auf einem „Festival der  Ideen“ die kreativen Konzepte anderer junger Leute kennenlernen.
Auch in Großbritannien gibt es eine Reihe solcher Wettbewerbe rund um den Unternehmergeist – unter anderem die originelle „Tenner Challenge“ bei der 10 Pfund an  Investment für die Geschäftsidee ausreichen müssen. Wichtig ist auch die Ausbildung der Lehrer. Beim Thema Unternehmergeist hat auch hier wieder das kleine Estland die Nase vorn. Dort dürfen diese in einem speziellen Praktikum Unternehmer auf Schritt und Tritt in ihrem Alltag begleiten. Dänemark vernetzt Lehrer, die sich mit dem Thema beschäftigen, damit diese die besten Ideen austauschen.

Österreicher vertrauen dem Unternehmergeist am meisten

Pioniere bei solchen Programmen für Lehrkräfte waren allerdings im Jahr 2003 Nordirland und Schottland. Ein Jahr später folgten Litauen,  Norwegen und Wales – immerhin gleich die dritte Region Großbritanniens, die sich diesem Thema öffnete. Nicht immer ist allerdings auch bei den Pionieren Kontinuität gegeben: Belgien, Wales, Montenegro und Norwegen haben bereits Strategiewechsel hinter sich. Auch die EU unterstützt solche Programme finanziell, auch in Nichtmitgliedern wie Bosnien und Herzegowina oder der Türkei.
Grundsätzlich ist aber die Einstellung zum Unternehmergeist in Europa sehr unterschiedlich. In Dänemark und Österreich war die Einstellung besonders positiv. Hier glaubten nur ein Fünftel beziehungsweise ein Drittel der Befragten in einer entsprechenden Untersuchung, dass Unternehmer doch nur von der Arbeit anderer profitieren. In Polen, Lettland und der Slowakei war hingegen die Skepsis groß. Neun von zehn Polen und vier von fünf Letten und Slowaken glaubens, dass Unternehmer letztlich die Leistung ihrer Arbeitskräfte ausnützen.
Die Offenheit bei der Frage, ob man eventuell selber Unternehmer werden möchte, ist manchmal von mangelnden anderen ökonomischen Perspektiven geprägt: In Litauen und Rumänien ist die Bereitschaft am größten.
Trauriges Schlusslicht beim Unternehmergeist ist das gegensätzliche Paar Deutschland und Griechenland. In der Bundesrepublik mag der vorhandene Wohlstand lähmen – in Griechenland ist es wohl eher der fehlende Glaube an vorhandene, wirtschaftliche Perspektiven. Doch ausgerechnet in dem einst als keltischer Tiger bezeichnenden Irland ist die Unternehmer-Statistik unter jungen Leuten am schlechtesten. Nur zwei Prozent haben dort tatsächlich schon ein Startup gegründet.

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