Die Botschafter von „Bawükommt“

Bawükommt

Die Startup-Standorte Karlsruhe und Stuttgart sind im Aufwind – das war die gute Nachricht diese Woche aus dem Deutschen Startup-Monitor (siehe meinen vorigen Blogbeitrag). Die schlechte Nachricht: Baden-Württemberg hat es immer noch schwer, als attraktiver Gründerstandort wahrgenommen zu werden.

Das Land bringt nämlich  nicht nur die traditionelle Tüftler-Ingenieure hervor, sondern auch Gründungen, die kulturell zur hip gewordenen Startup-Kultur passen. (Man sage nur „Höhle der Löwen“ bei Vox.) Damit sich das ändert, hat der Bundesverband Deutsche Startups zwei Dutzend unterschiedliche Persönlichkeiten rund um das Thema Gründen – von jungen Gründern selbst über Geschäftsführer von Gründerzentren bis zu Startup-Scouts der Firmen EnBW und GFT für fünf Tage in einen Bus gepackt, um die besser auf der Landkarte verankerten deutschen Startup-Metropolen Köln, Hamburg, Berlin und München zu besichtigen. Die Tour namens „Bawükommt“ soll nicht nur der endlich auch einmal gemeinsamen Außendarstellung des Bindestrich-Bundeslandes im Rest der Republik dienen, sondern auch dem besseren Kennenlernen von Akteuren aus dem ganzen Land, vor allem aus Karlsruhe und Stuttgart. (Hier auch  der Link zu meinem in der Stuttgarter Zeitung erschienenen Bericht.)

Bawükommt sucht eine Mischung an Perspektiven

Hier erst einmal ein paar subjektive Eindrücke: Eine interessante Mischung von Perspektiven hat sich schon auf der Fahrt ergeben. Einerseits eine ganze Reihe von Gründern, die in der Tat digital unterwegs sind – beispielsweise eine App namens WeTrack zur zur Optimierung der Lieferkette von Pizzadiensten entwickelt haben. Andere mit Gründer(n) vertretenen Projekte waren etwa eine Busliniensuche  (busliniensuche.de)  oder eine Online-Plattform für Galerien und Künstler (glarify). Dazu passte auch die erste Präsentation in Köln: Der Datenanalysedienst Quintly ist virtuelle Welt pur. Er erfasst Daten aus sozialen Netzwerken, um Unternehmen und Agenturen bessere Social-Media-Strategien zu ermöglichen. Viel weiter kann man sich vom traditionellen, mittelständischen Innovationsschwerpunkt im Land kaum  entfernen. Doch auch hierdrin liegt Wertschöpfung: Auf 18 Mitarbeiter ist Quintly immerhin angewachsen und expandiert weiter. Doch im Bus waren auch andere Perspektiven repräsentiert. Weltoffen, aber schwäbisch-bodenständig in Gestalt der Geschäftsführerin des Technologiezentrum Ulm, die im Gespräch auch einmal die ketzerische Frage stellte, ob die so genannte Startup-Kultur nicht uralte Probleme und Merkmale jedes Gründungsprozesses einfach mit amerikanischen Vokabeln garniert. Da ist vielleicht etwas dran.  Die Kulturunterschiede im Bus waren klar zu greifen – und es ist zumindest erfreulich, dass auch Unternehmen wie die EnBW sich diesem neuen Innovationsstil öffnen. Es heißt ja nicht, dass dies der einzige Weg zu Innovationen und Arbeitsplätzen ist. Ein wenig Verpackung und bessere gemeinsame Vermarktung des Gründerstandorts Baden-Württemberg ist überfällig. Wenn der Betreiber des Startup-Inkubators in Köln rheinisch-fröhlich sagt, dass ihm zum Thema Startupmetropolen Karlsruhe und Stuttgart nichts einfalle und wohl auch keiner seiner Gründer große Assoziationen damit verbinde, dann wird der südwestdeutsche Partikularismus und solide Bescheidenheit am Ende problematisch. Es reicht eben nicht, sich vom Berliner Hype zu distanzieren – man muss eine eigene „Landes-Marke“ dagegen setzen. Und trotz aller Verdienste: Karlsruhe und Stuttgart sind als Städte zu klein, um überregional oder international genügend Magnetkraft zu entwickeln. Erste Schritte zum Wir-Gefühl sind getan, doch die gegenseitige Vernetzung muss auch noch Strukturen bekommen.

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