IBM-Studie: Manager fürchten öfter digitale Angreifer

Uber; IBM

Die Angst etablierter Firmen vor Attacken durch neue digitale Konkurrenten ist in den vergangenen zwei Jahren massiv  größer geworden. Das besagt eine aktuelle Studie des IT-Konzerns IBM, die ich für die Stuttgarter Zeitung ausgewertet habe.

Disruption, das ist seit einigen Jahren ein modisches Schlagwort, um zu umschreiben, wie  digitale Anbieter traditionelle Geschäftsmodelle  aggressiv umkrempeln – manchmal quasi aus dem Nichts. Der Fahrtenanbieter Uber, der mithilfe einer App weltweit das Taxigewerbe aufmischt und dadurch binnen eines halben Jahrzehnts zum Multi-Milliardenunternehmen aufstieg, ist dafür ein Paradebeispiel.
„Die Angst vor der Uberisierung“ so hat der IT-Konzern IBM  in diesem Jahr  seine alljährliche Umfrage unter  weltweit 5200 Managern weltweit umschrieben.  Binnen zweier Jahre ist die Angst  der Führungskräfte massiv gestiegen, dass sie dank digitaler Technologien von neuen Wettbewerbern  plötzlich überrollt werden können. Inzwischen sind 54 Prozent der Meinung, dass dies auch in ihrer Branche geschehen kann – vor zwei Jahren lag der Wert mit 43 Prozent noch deutlich niedriger.
Diese Veränderungen zwingen zu  neuen Organisationsstrukturen:   48 Prozent der Befragten planen stärker dezentrale Entscheidungen in ihren Firmen, bei denen Mitarbeiter mehr Einflussmöglichkeiten haben. Zudem werden externe Partnerschaften wichtiger: 54 Prozent suchen inzwischen außerhalb des eigenen Unternehmens nach Innovationen und 70 Prozent  bauen ihre Partnernetzwerke aus Die Autoren der IBM-Studie sparen  nicht mit drastischen Formulierungen. Noch vor wenigen Jahren hätten die Manager künftige Bedrohungen frühzeitig erkennen können: „Das größte Risiko war das Auftauchen eines neuen Mitbewerbers mit einem besseren oder günstigeren Produkt“. Doch nun sei das anders: „Heute sehen Unternehmen die Konkurrenz oft erst dann, wenn es bereits zu spät ist.“

Die digitalen Invasoren schnappen sich die Erlöse

Auf einmal bündelten digitale Angreifer die Geschäftsmodelle neu:  „Einige Formen der Konvergenz – zum Beispiel die Verbindung von Unterhaltungselektronik und Gesundheitswesen in den digitalen Fitness-Trackern der Firma Fitbit – sind ziemlich offensichtlich.“   Doch schwieriger sei es, wenn die Attacken  quasi aus dem Nichts kämen. Wenn  der  US-Rüstungskonzern Lockheed Martin auf einmal mit einem auf die Analyse von Erbgut spezialisierten Unternehmen zusammenarbeite, um im Gesundheitswesen Fuß zu fassen, dann könne das die etablierte Konkurrenz kaum auf dem Radarschirm haben.   Konkurrenz drohe jedoch auch „von digitalen Invasoren mit völlig anderen Geschäftsmodellen“, wie  die Studie sagt.  Diese Firmen fassen dort Fuß, wo die bisherigen Anbieter  am meisten Geld verdienten.   Die neuen Konkurrenten, „umgehen die etablierten Anbieter und erobern die Kontrolle über die Kundenbeziehung, wodurch andere Anbieter irrelevant werden.“
Laut der IBM-Untersuchung geht der Konkurrenzdruck einerseits von großen Digitalfirmen wie Amazon von Google aus. Doch fast noch gefährliche seien  frisch gegründete,  kleinere Anbieter, für die es im Management-Jargon inzwischen einen drastischen Begriff gibt – die  „Wadenbeißer“: „Sie sind klein, smart und agil. Sie werden nicht durch eine traditionelle Infrastruktur behindert. Tatsächlich haben sie oft überhaupt keine Infrastruktur, da sie die Assets anderer Anbieter nutzen.“  Etablierte Konkurrenten würden die neue  Konkurrenz oft erst bemerken, wenn sie  zugeschnappt habe. Als Paradebeispiel nennt die Studie die Bankenbranche: „Früher musste jeder, der Geld sparen oder leihen, mit Wertpapieren handeln oder Fremdwährungen kaufen wollte, eine Bank besuchen. Heute gibt es Nutmeg für Spareinlagen, Kabbage für Darlehen, Robinhood für den Aktienhandel und Currency Cloud für grenzüberschreitende Zahlungen – neben vielen weiteren ähnlichen Anbietern.“
Allerdings ist die diesen Wahrnehmungen zu Grunde liegende, vom US-Wirtschaftswissenschaftler Clayton Christensen um die Jahrtausendwende postulierte Theorie der „ Disruption“ in jüngster Zeit kritisiert worden. Wissenschaftler  der Universität Vancouver stellten in einer aktuellen Analyse fest, dass nur neun Prozent   der  77 von Christensen zitierten Fallbeispiele dem Muster  der überfallartigen Eroberung von Märkten durch überraschende Konkurrenten entsprochen hätten.

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Bild: Uber Blog

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