Mensch bleibt Mensch – da helfen keine Algorithmen 

AlgorithmenEine Darstellung des so genannten Rete-Algorithmus; Bild: Wikipedia

Eine weltbekannte Online-Firma will ohne Chefs auskommen, ein Start-up-Experte träumt von Roboter-Investoren und das Wall Street Journal hat Visionen  vom Essen aus dem 3D-Drucker. Diese hier unten aufgeführten Links, über die ich in den vergangenen Tagen zufällig gestolpert bin und die ich teilweise schon getweetet habe, scheinen auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben. Und dennoch verkörpern sie etwas, was mich an der (vor allen Dingen digitalen) modernen Gründer- und Innovationskultur einerseits fasziniert und doch andererseits ins Grübeln bringt. Das Schöne daran ist die Begeisterung für das radikal Neue, die Schwerelosigkeit, mit der die insbesondere in Deutschland übliche Bedenkenträgerei hinter sich gelassen wird. Doch beim Blick auf manchen fröhlich pitchenden Gründer frage ich mich, ob ein wenig mehr Gespür für menschliche Schwerkraft manchmal nicht mindestens so wichtig wäre wie die Algorithmen. Die drei visionären  Beispiele aus der Welt der amerikanischen Gründerkultur sind überkandidelt. Man braucht deshalb nicht gleich in das etwa vom „Spiegel“ angestimmte und in dem vor einigen Monaten publizierten Titelbild „Die Weltregierung“ auf die Spitze getriebene Lamento einstimmen, wonach die arroganten Visionäre des  Silicon Valley  den ganzen Menschen umformen und neu erfinden wollen.

Algorithmen ersetzen kein Menschenbild

Doch ein realistisches Menschenbild ist auch für  Visionäre hilfreich.  An  hierarchiefreien Strukturen hat sich nicht erst Zappos, wie in der Analyse der New York Times beschrieben, die Zähne ausgebissen. Da gab es in der menschlichen Geschichte zuvor schon ein paar andere. Die perfekten Algorithmen der so genannten  Quants an der Wall Street, von denen im Beispiel zwei ein Investor beim Thema Gründen zu träumen scheint,  haben vor der Finanzkrise eben nicht  die perfekten Investitionen eruiert, sondern menschliche Gier und Dummheit multipliziert. Und wer vom Essen aus dem 3D-Drucker schwärmt, der verdrängt, dass viele Menschen schon heute von den perfektionierten, maschinellen Methoden der Nahrungsmittelindustrie im wahrsten Sinn des Wortes die Nase voll haben. Bodenhaftung, Bodenhaftung, Bodenhaftung – das wäre deshalb für heute mein  Ratschlag für alle von ihrer Begeisterung für die Disruption euphorisierten Überflieger.

Zappos versucht es ohne Chefs
Automatisiertes Venture-Kapital
Essen aus dem 3D-Drucker

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