Neuer IT-Accelerator in Karlsruhe

IT-Accelerator; KarlsruheDie Hoepfner-Burg in Karlsruhe - Standort des neuen IT-Accelerators; Foto: Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Das Land Baden-Württemberg hat jetzt einen offiziellen, staatlich geförderten IT-Accelerator. In der so genannten Hoepfner-Burg in Karlsruhe ziehen in  diesen Tagen bereits die ersten, vom neuen Programm geförderten Startups ein.

In Karlsruhe braut sich beim Thema  IT mal wieder etwas zusammen.  „Die Burg“, so heißt in Karlsruhe das Gebäude der (immer noch aktiven) Brauerei Hoepfner  samt Restaurant in der Haid-und-Neu-Straße. Es vermittelt mit seiner rustikalen, verspielten Backsteinarchitektur schon seit einigen Jahren den Startups des Karlsruher Gründerzentrums CyberLab echten Werkstattcharakter. In diesen Wochen ziehen die ersten Gründerteams in eine frisch freigeräumte Etage ein, in der vor wenigen Monaten noch Malz und Maische für die Brauerei lagerten. Das nun deutlich ausgebaute Betreuungsprogramm darf sich mit dem offiziellen Titel des „IT-Accelerators des Landes Baden-Württemberg“ schmücken. Das Zentrum ist damit der erste der vor fünf Jahren von der grün-roten Landesregierung versprochenen „Olympiastützpunkte“ für Gründer.
Bis zu knapp drei Jahre lang lang  sollen hier junge Unternehmen nicht nur zu vergünstigten Konditionen ihr Büro aufschlagen. Sie werden vielmehr  insbesondere in ihrer Anfangsphase intensiv betreut – unter anderem von den geschäftserfahrenen, ehrenamtlichen Mentoren des CyberForum, einem der größten Netzwerke der Hightech-Branche in Europa.
„Wir sind nicht nur ein Technologiepark, in dem Gründer von einer verbilligten Infrastruktur profitieren“, sagt Christian Birnesser, Sprecher des CyberForum. Das  neue Programm, das auf den in den vergangenen drei Jahren gesammelten Erfahrungen mit einer etwas lockerer strukturierten,  über bis zu neun Monate laufenden Beratung aufbaut, sieht sich  in der Schule der so genannten Acceleratoren. Dies sind Startup-Programme, die nach einer mehr oder weniger rigiden Methodik Gründern den Start erleichtern. „Wir haben aus dem bisherigen Programm gelernt, dass Startups noch länger Unterstützung brauchen. In dem Augenblick, wo sie flügge werden, geht es mit dem Bedarf ja eigentlich richtig los“, sagt David Hermanns, der Geschäftsführer des CyberForums.
Startups, die in Karlsruhe einziehen wollen, verpflichten sich vertraglich, am Programm teilzunehmen, etwa an meist wöchentlichen Beratungsstunden. Sie müssen im IT-Accelerator auch bestimmte Meilensteine erreichen.  Die Methodik  und die Intensität werden aber ihren Bedürfnissen flexibel angepasst.
Das  Besondere in Karlsruhe ist die Tatsache, dass diese Beschleunigungsphase als  Förderprogramm konzipiert ist. „Bei uns müssen Gründer als Gegenleistung für die Unterstützung keine Unternehmensanteile abgeben,“ sagt Hermanns. Für Gründer ist der Karlsruher IT-Accelerator deshalb besonders attraktiv.  Diese großzügige Starthilfe wird durch die Kombination aus staatlicher Unterstützung und dem Einsatz eines in Karlsruhe seit fast zwei Jahrzehnten gewachsenen Unternehmer- und Unterstützernetzwerkes möglich. „Dass so ein Accelerator allein durch Förderung und ehrenamtliches Engagement funktioniert, ist ziemlich einmalig“, sagt Birnesser. Das dichte, seit Jahren gewachsene Gründer-Ökosystem  und die Tatsache, dass man mit dem ebenfalls vom Landeswirtschaftsministerium geförderten Vorläuferprogramm bereits gute Erfahrungen gesammelt hat, waren entscheidende Faktoren, warum Karlsruhe als erster von vier geplanten „Gründer-Olympiastützpunkten“ im Land den Zuschlag bekommen hat.

Der IT-Accelerator wird sukzessive ausgebaut

Sukzessive soll das Programm nun in den kommenden Jahren ausgebaut werden. In der bereits vorhandenen Gründeretage hatten bis zu vier Startups-Platz. In den neuen Räumlichkeiten können nun acht bis zehn weitere dazukommen. Für sieben bis neun Monate kommen sie zunächst ins eigentliche, intensive  Beschleunigungsprogramm. Weitere zwölf Monate können sie zu reduzierten Mietkonditionen in der „Burg“ bleiben und Beratungsleistungen in Anspruch nehmen, die vom Marketing über Pressearbeit und Buchhaltung bis in zur Personalgewinnung reichen. Danach können sie noch ein  Jahr dranhängen  – allerdings zu  regulären Mietkonditionen. Herauskomplimentieren werde man sicher niemand müssen, sagt der Geschäftsführer Hermanns: „Wenn ein  IT-Startup nicht nach zwölf Monaten anfängt zu rennen, dann schafft es das in der Regel nicht mehr.“
Feste Bewerbungszeitpunkte gibt es nicht. Wie schon beim bisherigen Programm, setzt sich eine Jury mehrmals im Jahr flexibel zusammen und lässt sich die Konzepte der Bewerber vorstellen, „Wir möchten dass die Geschäftsidee  einen gewissen technologischen Anspruch hat“, sagt Birnesser über eines der wichtigsten Auswahlkritierien.
Ziel ist es,  auf im Endausbau 1400 Quadratmetern Fläche Startups in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu versammeln. „Wir wollen, dass die sich auch gegenseitig unterstützen“, sagt Hermanns.
Zunächst stehen Startups aus Baden-Württemberg im Mittelpunkt, wenngleich auch Bewerber von außerhalb berücksichtigt werden können, die dann aber ihren Geschäftssitz nach Karlsruhe verlegen müssen. Von 2017 an ist angedacht, auch internationale Startups in das Programm aufzunehmen. Das bereits am bestehenden Programm teilnehmende Projektmanagement-Startup Keypoint wird als erstes in die neuen Räume umziehen.
Die Startups erleben dort einer ganz besondere Atmosphäre. Bei den Umbauarbeiten sind nämlich vier Meter hohe, zugemauerte Fenster zu Tage getregen, die jetzt nach der Renovierung der Startup-Etage  einen ganz eigenen Charakter geben.
„Wir nennen das jetzt unsere Cyber-Kirche“, sagt Christian Birnesser scherzhaft. Höherer Inspiration steht also nichts im Wege.

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