Reif für die Arbeitswelt 4.0?

Industrie 4.0; Pyramide

Vor einigen Tagen hat das Statistische Bundesamt eine aktuelle Statistik vorgestellt, die besagt, dass reguläre Arbeitsverhältnisse in Deutschland wieder im Vormarsch sind. In der Stuttgarter Zeitung  habe ich vor zu viel Euphorie gewarnt und das  so kommentiert: „Die leichte Entspannung bei der bislang unaufhaltsamen Entwicklung weg von den regulären Vollzeitstellen sollte nicht über die langfristigen Perspektiven hinwegtäuschen. Die so genannte Industrie 4.0, also die digitale Vernetzung und elastische Steuerung der Produktion, wird auch dort zu einer bis jetzt nicht dagewesenen Flexibilität führen.“ Passend dazu empfehle ich zur Lektüre das unten verlinkte Interview des Portals „Ingenieurversteher“, in dem beleuchtet wird, was das  letztlich für die internen Abläufe und insbesondere die Führungskräfte und die Hierarchien in produzierenden Betrieben bedeutet. Die fremdeln nämlich bisher unübersehbar mit der neuen Rolle von Arbeitnehmern, die mitdenken und Freiräume wahrnehmen müssen. Es ist das eine, von Arbeitnehmerseite die Bereitschaft zur Flexibilität und zum Umlernen zu fordern. Das hat aber aus Sicht der Chefetage auch eine Kehrseite: Das traditionelle hierarchische Prinzip, ich der Chef, du der Untergebene, kann in diesen anspruchsvollen Prozessen nicht funktionieren wie bisher. Und hier hat die deutsche Unternehmenskultur immer noch  Schwächen: Wir gehen hierzulande eben, und das fängt schon bei der Schulbildung an, lieber im Pulk. „Klassengemeinschaft“ ist etwa ein solches Konzept, das sich ins Amerikanische überhaupt nicht übersetzen lässt – und das meine amerikanische Frau auch nach zweieinhalb Jahrzehnten in Deutschland immer noch nicht ganz versteht.  Insbesondere Startups können ein Lied davon singen, was in der Praxis von dem auch von Unternehmenschefs auf Podien zum Thema Industrie 4.0 gepriesenen Prinzip flacher Hierarchien wird, wenn sie mit „konventionellen“ Firmen kooperieren. Bei vielen Abstimmungs- und Rückversicherungsritualen nach oben geht dann eines verloren, was die neuen, insbesondere digitalen Entwicklungsprozesse auszeichnet: Die Schnelligkeit. Macht abgeben und selbstständig agierenden Mitarbeitern einen Vertrauensvorschuss schenken, das ist für traditionelle Hierarchen eben mit das schwierigste, was es gibt.

Arbeitswelt 4.0 und der große Wandel (Ingenieurversteher)

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