Roboter: Jobkiller oder Freund und Helfer?

RoboterKotaro ist ein humanoider Roboter aus Japan; Foto: Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Hier ein kleiner Nachklapp zu meinem gestern auf diesem Blog publizierten Text über die Entwicklung der Robotertechnologie: Schaden uns Roboter mehr als sie uns nützen? Oder ist es vielleicht umgekehrt?

Menschenleere Fabriken, Roboterarmeen, die auch noch den letzten menschlichen Arbeitsplatz  erobern – solche Visionen gibt es, seit diese Maschinen in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts in die Fabriken eingezogen sind.  Heute sind sie aus den Montagestraßen etwa der Autohersteller nicht mehr wegzudenken – und dennoch beschäftigt diese Vision etwa in der Region Stuttgart immer noch viele Menschen.
Sind Roboter Arbeitsplatzkiller, ja womöglich eine Bedrohung für unser gesellschaftliches System? Oder  sind sie unverzichtbare Helfer, die es in Hochlohnländern möglich machen, überhaupt die Arbeitsplätze zu retten? Oder die etwa in Bereiche wie die Pflege vordringen könnten, wo die Personaldecke dünn ist und sich Menschen besser auf Zuwendung konzentrieren als auf körperliche Arbeiten? Die Wissenschaft ist uneinig.

Eine optimistische Stimme aus der Schweiz

Der Schweizer Sozialwissenschaftler Beat Kappeler gehört ins Lager der Optimisten: „Wirtschaftliche Tätigkeiten mögen an einzelnen Punkten voll rationalisiert werden, doch irgendwann muss ein Produkt zugestellt werden, beworben werden, müssen Leute, nicht Pakete transportiert, informiert, verbunden, beraten werden“, schrieb er für die  „Neue Zürcher Zeitung“. Ein dysfunktionaler Arbeitsmarkt wie in den USA, wo Niedrigqualifizierte nicht geschult oder ausgebildet werden, verkrafte Roboter schlechter als Länder wie Deutschland oder die Schweiz, die ein solides Ausbildungssystem besitzen. Die deutschen Gewerkschaften hätten vor drei Jahrzehnten wegen des Einzugs des PC fünf Millionen Arbeitsplätze bedroht gesehen. „Deutschland und die Schweiz sind heute voll beschäftigt, die damaligen fünf Millionen Tätigkeiten sind zwar weg, aber wohl doppelt so viele sind neu dazugekommen.“
Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat hingegen in einer aktuellen Studie in den kommenden Jahren einen Nettoverlust von 60 000 Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung  der Produktionswelt errechnet. Demnach werden dadurch zwar 430 000 neue Stellen entstehen, gleichzeitig gingen aber 490 000 Jobs verloren, die meistens einfachere Tätigkeiten einschließen. Damit wird die Gruppe der gering Qualifizierten, die sowieso nur mühsam Schritt hält, weiter belastet.

Elon Musk malt schon die Machtübernahme der Roboter an die Wand

Der amerikanische IT-Unternehmer Martin Ford, der 2015 mit dem düsteren Buch „The Rise of the Robots“ (Der Aufstieg der Roboter) einen Bestseller landete, warnt vor der Illusion, dass etwa die Wartung der Roboter   viele Jobs schaffe: „Es wird dafür ein paar Leute brauchen. Aber die Realität ist, dass die Roboter so entworfen sind, dass sie sich einfach aus der Ferne warten lassen.“ In den USA treiben deshalb sogar Wall-Street-Investoren wie der Risikokapitalgeber und Buchautor Albert Wenger von Union Square Ventures das Thema bedingungsloses Grundeinkommen voran: „Wir müssen darüber reden, wie wir unseren Lebensunterhalt von der Notwendigkeit zu arbeiten trennen“, sagte er jüngst der „New York Times“. In Deutschland und Europa gibt es schon lange Vordenker, die dies fordern. Für die USA ist dies jenseits linker akademischer Zirkel ungewöhnlich.
Dort gibt es Propheten wie den Tesla-Gründer Elon Musk, den britischen Physiker Stephen Hawking und den Microsoft-Gründer Bill Gates, die vor der Bedrohung durch die wachsende Intelligenz von Robotern warnen. Dagegen stehen Optimisten wie Googles Chefingenieur Ray Kurzweil, der eine enge Kooperation von Robotern mit Menschen, ja fast eine Symbiose voraussieht, welche die biologischen Einschränkungen des Menschen überwinden werde. Er ist die treibende Kraft hinter Googles aggressiver Expansionsstrategie auf dem Gebiet der Robotik.
Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. In den vergangenen Jahren haben Roboter in der Tat ihre Käfige verlassen, in denen sie bisher in den Montagehallen eingesperrt waren. Aber bisher sieht es eher nach Kooperation aus als nach Konfrontation.

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