Schaffe, spare – Startup baue…

Startup; Baden-Württemberg

Heute wurde der Startup Monitor des Bundesverbands Deutsche Startups und der Beratungsgesellschaft KPMG vorgestellt – den auch meine Kollegin Nora Stöhr für die  Stuttgarter Zeitung analysiert hat. Hier ein ergänzender Blick auf einige bemerkenswerte Details des Startup-Standortes Stuttgart-Karlsruhe, den der Verband als badisch-württembergische Einheit sieht. Mit acht Prozent Anteil an den deutschen Startups ist die Bedeutung des Südwestens im Vergleich zur übrigen Wirtschaftskraft bundesweit relativ klein. Es gibt aber dennoch einige herausragenden regionalen Besonderheiten. Geradezu klischeehaft ist die Tatsache, dass in der Region tatsächlich viele Gründer genügend gespart haben, um sich erst einmal selber zu finanzieren – der Anteil liegt bei 26 Prozent und damit klar über dem Bundesdurchschnitt von 19 Prozent. „Schaffe, spare, Startup baue“, könnte man dazu in leichter Abwandlung des abschließenden Bonmots des Stuttgarter Regiohelden-Gründer Feliks Eyser im Vorwort der Studie sagen.  Aber Solidität demonstriert auch die Tatsache, dass überdurchschnittlich häufig im Team gegründet wird: Mit 88 Prozent der Gründungen ist die Region bundesweit der Spitzenreiter und liegt damit zehn Prozentpunkte über dem  deutschen Durchschnitt. Es sind also nicht irgendwelche versponnenen badischen und schwäbischen Tüftler, die verbissen ihre Ideen verfolgen, sondern die Gründer gehen  von Anfang an wohlorganisiert vor. Wenig verblüffend angesichts der Wirtschaftsstruktur der Region ist die Tatsache, dass die Startups sich zu  73 Prozent an Geschäftskunden richten – es gibt eben genügend Abnehmer für  Produkte, für die man nicht unbedingt einen Hipness- und Coolness-Faktor benötigt, wie er viele App-Bastler etwa in Berlin auszeichnet.

Schlechte Noten für die Landesregierung beim Startup-Thema

Vernichtend ist allerdings das Urteil der Startups über die Politik der Landesregierung: Eine  Vier plus bedeutet „Versetzung gefährdet“ – und dies trotz der Tatsache, dass es an Bekenntnissen etwa des Wirtschaftsministers Nils Schmid zum Gründerstandort nicht mangelt. Aber so ganz scheint man trotz aller Förderprogramme den Geist der Szene nicht verstanden zu haben. Die will nämlich weniger Förderbürokratie als mehr Attraktivität für Investoren und besseren Zugang zu privatem Kapital. Denn hier liegt laut der Untersuchung wohl das größte baden-württembergische Defizit im Vergleich zu Deutschland insgesamt: Acht Prozent Anteil Finanzierung durch Venture-Kapital im Vergleich zu einem Fünftel im Bundesdurchschnitt sind im wahrsten Sinn des Wortes ein Armutszeugnis. Geld gibt es in der Region genug, aber offenbar zu wenig risikobereite Investoren. Hier hat die lokale Mentalität, die  zu der  hohen, vielleicht ja auch nur aus Mangel an Alternativen geborenen Selbstfinanzierungquote führt, ganz klar eine Kehrseite.

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