Selbstfahrende Autos über alles

Google; Selbstfahrende Autos; autonomes FahrenDas Google-Auto sieht niedlich aus - aber auch dieses Fahrzeug kann Unfälle verursachen. Foto: Google

Rollen bald Roboter-Fords powered by Google vom Band? Die deutsche Reaktion auf die jüngste Meldung aus den USA lässt mich ein wenig darüber reflektieren, welche Ängste hier solche Meldungen auslösen.

Die Alarmglocken schrillen, so kann man wohl mit einem der ältesten und abgegriffensten journalistischen Klischees die deutsche Reaktion beschreiben, als jetzt  – etwa bei Yahoo Auto – Gerüchte hochgekocht sind, dass Google und Ford beim Thema autonomes Fahren ein Joint Venture eingegangen sind. Vor dem geistigen Auge mancher Beobachter rollten da schon fast die Roboter von den Fließbändern von Dearborn, Fords traditionsreicher Produktionszentrale in Michigan. Wenn wir in Deutschland befürchten, dass jemand das Herz unserer industriellen und wirtschafltichen Kompetenz,  die Autoindustrie, attackiert, dann ist die Aufmerksamkeit sicher. In den USA war das Echo nüchterner. Das Wall Street Journal sah das Thema als einen Versuch des technologisch etwas abgehängten US-Autoherstellers, endlich wieder einmal bei einem Trend die erste Geige zu spielen. „Im Falle von Ford lernt vielleicht wirklich einmal ein alter Hund neue Tricks“, so lautete locker der erste Satz im Artikel. Insgesamt war das Echo eher nüchtern. Die traditionell vorsichtig-seriöse  New York Times beließ es angesichts des augenblicklichen Gerüchtestatus sogar bei der Wiedergabe einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters.

Selbstfahrende Autos sind nicht alles

Ein wenig sagt dies aber auch darüber aus, wie eingeschränkt wir in Deutschland manchmal das Thema IT-Innovation  wahrnehmen. Google kooperiert bereits mit Audi bei Betriebs- und Informationssystemen fürs Auto.  Und Daimler hat im Sommer gleich mal mit mehreren Bällen gespielt und neben Google das ebenfalls an selbstfahrenden Autos forschende Apple als möglichen Kooperationspartner ins Gespräch gebracht. Es war immer klar, dass Google zur eventuellen Produktion eines  selbstfahrenden Autos Partner braucht. Und das Unternehmen aus Mountain View hat immer signalisiert, dass man sich dabei viele Optionen offen halten und sich nicht nur an wenige Partner binden will.  Wenn nun Ford  an diesem Punkt vertraglich als erster einen Schritt weitergekommen ist, dann sind damit die immer noch vorhandenen technologischen Herausforderungen nicht gelöst. Im Artikel von Yahoo steht eine bemerkenswerte Feststellung: Ford wolle das ganze Projekt bewusst in eine ausgegliederte Gesellschaft stecken, um bei möglichen Haftungsproblemen rechtlich außen vor zu bleiben. „Die Frage, wer für die Folgen von Unfällen verantwortlich ist, in die selbstfahrende Autos verwickelt sind, wird als eine der größeren Hürden dafür gesehen, sie auf die Straße zu bringen“, heißt es dort. Das ist auch der amerikansichen Schadenersatzkultur geschuldet, spricht aber zudem für eine realistische Einschätzung des augenblicklichen Entwicklungsstandes durch Ford. Schließlich hat man dort auch selber schon lange an Technologien für selbstfahrende Autos gebastelt.

Sogar Elektronikmessen werden  zu Automessen

Dennoch ist für der bald anstehenden Konsumelektronikmesse CES in Las Vegas zu erwarten, dass die dort anstehende Verkündung der Kooperation Google-Ford hier zu Lande viel Aufmerksamkeit absorbieren wird. Der deutschen Autobranche ist es in den vergangenen Jahren gelungen, diese Messe, in der es eigentlich um das ganze Spektrum elektronischer Möglichkeiten vom Fitnessarmband bis hin zum Smart Home geht,  zur ersten Automesse des Jahres zu machen. Gelegentlich wird einem bei dieser automobilien Fixierung unbehaglich. Der alleinige  Schlüssel zum Internet der Dinge sind selbstfahrende Autos nun  wahrlich nicht. Und auch die Herstellung von Kraftfahzeugen wird  langfristig wohl weniger als heute der Schlüssel zur Wirtschaftskraft sein. Deutschlands und inbesondere Baden-Württembergs Abhängigkeit von dieser Schlüsselbranche ist enorm. Insofern hat hier zu Lande jeder das Ohr am Asphalt, um jegliches Beben zu erahnen, das die Position dieses Wirtschaftszweigs erschüttern könnte. Eine Kooperation von Ford und Google verdient deshalb in der Tat hohe Aufmerksamkeit. Man muss nur aufpassen, dass das Starren auf das kugelrunde Google-Vehikel nicht die Aufmerksamkeit für andere wichtige Trends und wirtschaftliche Potenziale allzusehr absorbiert.

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Bild: Google

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