Silicon Valley/Dreamforce-Tagebuch Teil 3: Wird das Valley erwachsen?

Dreamforce

Das Megaevent Dreamforce mit seinen 170000 sich durch die Innenstadt von San Francisco drängenden Besuchern hat mir neben den in der Stuttgarter Zeitung erschienenen Texten (hier der neueste zur Imagepflege der IT-Größen) doch etwas weniger Luft zu persönlicher Reflektion gelassen als gedacht. Dennoch hier ein paar subjektive Eindrücke zu den Trends: Ob beim bisher menschlichsten Auftritt des Uber-Gründers Travis Kalancik, der vom Salesforce-Chef Marc Benioff persönlich gepushten Veranstaltungsreihe zur Frauenförderung oder einer Reihe von Veranstaltungen, wo die dort zahlreich vertretenen Frauen manche Macho-Mythen der Branche gegen den Strich bürsteten: Überall hatte man den Eindruck, dass man allmählich im Silicon Valley ein wenig zu begreifen beginnt, dass die Branche die gesellschaftliche Realität sensibler wahrnehmen muss, wenn sie weiterhin so erfolgreich bleiben will bisher. Der  Salesforce-Chef Marc Benioff selbst bemüht sich mit seinem Fokus auf Philanthropie und auf die Frauenförderung durchaus,  andere Töne in die Branche zu tragen. Doch ganz ist man noch nicht so weit.  Die großen Keynotes und Technikpräsentationen sind immer noch von den männlichen CEOs beherrscht, deren Freude an ihren neuesten technischen Spielzeugen kaum zu verbergen ist. Da wird dann im schwindelerregenden Rekordtemop auf die Bildschirme geklickt. Die Technikerbegeisterung über immer weitere Stufen an Datenintegration und Analytik, welche die Arbeitswelt immer weiter algorithmisieren, ist mit Händen zu greifen. Dabei stehen angeblich immer der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt, man redet gerne von „Mission“ und „Kultur“. Aber auch Satya Nadella von Microsoft beispielsweise verstand es auf der Dreamforce deutlich besser über technische Feinheiten zu reden als über die Frage, was er mit einer konstruktiven Firmenkultur denn meint. Ein Nerd ist er eben letztlich auch. Amüsant war, dass bei der wohl menschlichsten Dimension der Kommunikation, bei der Stimmerkennung, das Vorführ-Programm versagte. Vielleicht ist ja Nadellas unüberhörbarer indischer Akzent immer noch eine Herausforderung für die Technik? Allmählich, so wurde auf einigen Veranstaltungen deutlich, sickert in der US-Branche durch, dass man insbesondere auf dem deutschen Markt die  Deutschen nicht nur mit unbekümmerten utopischen Versprechungen locken kann. Zumindest bei den entsprechenden Fragen zu Privatsphäre und Datenschutz sind die Antworten inzwischen gut eingeübt. Ein langsamer Lernprozess scheint in Gange, der in der Branche den Blick schärft, dass sie nur Teil der Gesellschaft ist und nicht, wie sie gerne behauptet,  deren utopiegetriebener Gestalter. Dazu gehört ein besseres Bewusstsein über die sozialen Konsequenzen einer Disruption à la Uber genauso wie das hartnäckig peinliche Defizit bei der Präsenz von Frauen und Minderheiten in der Branche.

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