Startschuss bei Accelerate Spaces in Stuttgart

Accelerate Stuttgart

Auf dem ehemaligen Waldbaur-Gelände direkt am Feuersee ist Accelerate Stuttgart nun mit seinem kompletten Startup-Unterstützungskonzept an den Start gegangen. Am Montagabend war die offizielle Eröffnungsfeier für das Gründerzentrum Accelerate Spaces, bei der auch die ersten Startups vorgestellt wurden, die hier das sechsmonatige Anschubprogramm durchlaufen.

Ines Aufrecht, die Chefin der Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart, die auch einer der Förderer von Accelerate Stuttgart ist, versuchte in ihrem Grußwort dem Anfang einen Schuss Poesie abzugewinnen. „Gründen ist wie Verliebtsein“, sagte sie: Erst die romantischen Ideen und das Kribbeln im Bauch, dann die Mühen der Ebene, erste Desillusionierungen – bis dann am Ende eine tragfähige Beziehung entsteht. Und man wisse doch, dass manchmal sogar der Flügelschlag eines Schmetterlings am Ende der Auslöser eines Wirbelsturm sein könne: „In diesem Sinne wünsche ich, dass von hier aus am Ende viele Schmetterlingen in die Stadt fliegen.“ Aufrecht bekannte sich dazu, dass das Thema für Stuttgart verstärkt zum Thema werden soll. Was bei den Gründern passiere, gehe die Stadt als Ganzes an, nicht nur weil sie Arbeitsplätze schüfen, sondern „auch frischen Wind in etablierte Unternehmen bringen.“ Stuttgart sei im übrigen bei diesem Thema besser sei als sein Ruf und schlage bei der Zahl der „Neuerrichtungen“ etwa die Universitätsstadt Heidelberg oder das oft als Innovationsstandort gepriesene Mannheim deutlich. Johannes Ellenberg, der Geschäftsführer von Accelerate Stuttgart, wünschte sich denn bei seiner Präsentation ausdrücklich, dass den Unternehmens-„Larven“ tatsächlich Flügel wachsen. Unter den Fittichen von Accelerate Stuttgart beziehen sie nebeneinander aufgereihte Büroräume und sollen während sechs Monaten herausfinden, ob ihre Ideen marktfähig sind. Ellenberg erinnerte daran, wie jung der Versuch der Etablierung einer modernen Startup-Kultur in Stuttgart ist – und wie lange dann doch der Weg war, ihr in Gestalt der Accelerate Spaces einen (von inzwischen mehreren) konkreten Anlaufpunkten in der Stadt  zu geben. Daneben sind  solche, betreuten Standorte für durchstartende Gründer auch an der Hochschule der Medien in der Projektphase und Anfang des kommenden Jahres unter dem Namen Arena42 in einer dreimonatigen Version auch unter der Obhut der Wirtschaftsinitiative Bwcon fast schon am Start. Nach ersten Events im Jahr 2010 hat sich inzwischen in Stuttgart eine kleine Gründer-Eventkultur etabliert. Accelerate Stuttgart hat mit seinem Förderkonzept rund drei Jahre Entwicklungszeit hinter sich. Es war vor allem nicht einfach, Unternehmen zum Mitziehen zu bewegen. Ein ursprünglich geplantes Gesellschafterkonzept, bei der sich etablierte Geldgeber permanent beteiligt hätten, kam nicht zum Ziel. Wer die ursprünglichen Interessenten waren, verriet Ellenberg nicht.

Fünf digital und online orientierte Startups sind bei Accelerate Stuttgart am Start

Zum Start sind neben dem schon seit einigen Monaten mitmachenden Pionier Exit Games/Exit Ventures, einem Veranstalter und Vermittler von innovativen Gruppenspielen, weitere Startups dabei, die entgegen der oft technologiezentrierten Stuttgarter Gründertradition sich dem Konsumentenmarkt in den Bereichen Dienstleistung, Handel, Unterhaltung und sozialer Interaktion zuwenden. Flurfunk ist eine innovative App, die es ermöglichen soll, live auf einer strukturierten Karte zu verfolgen, wo gerade in der Stadt etwas los ist. Balloonas ist nach eigener Definiton ein „Inspirationsportal“ für Kindergeburtstage.  Padaja arbeitet als ein auf den Bedarf von Geschäftsreisen zugeschnittenes Shoppingportal, das von Kabinengepäck bis zu Damen-Laptoptaschen es schnell und übersichtlich erlauben will, sich für den nächsten dienstlichen Trip zu wappnen. Lingo Ventura ist ein Sprachreisenveranstalter – laut Ellenberg eine Kombination  aus Individualisierung  à la Mymeusli und der Betten-Kompetenz von Airbnb. Und das Unternehmen von Egame Strategy will von dem Trend profitieren, dass Online-Gamer immer öfter für echte Geldpreise gegeneinander antreten.

Die Schlüsselfrage: Funktionieren die Produkte?

Die Gründer von Flurfunk stehen beispielsweise vor der Aufgabe ihre bereits technisch funktionsfähige App zu skalieren, weil ihre von den Nutzern generierten Tipps eine bestimmte kritische Masse brauchen, um zu funktionieren. Gegen eine Beteiligung von Accelerate Stuttgart arbeiten sie mit ihren Mentoren nun für ein halbes Jahr gemeinsam daran, diesen Take Off möglich zu machen. Andere Standbeine sind wie bisher die Betreuung von Events –  etwa zum dritten Mal des landesweiten Elevator Pitches, bei der Startups ihre Ideen kurz präsentieren können. Daneben gibt es Seminarveranstaltungen sowie die Möglichkeit,die  maximal 100 Besucher fassenden Räumlichkeiten samt Catering für eigene Events zu mieten. Separate Räume sollen auch für begrenzte Zeiträume Innovationsteams von etablierten Unternehmen beherbergen, unter anderem zwei Team seines Stuttgarter Autoherstellers. Und vom kommenden Jahr an wird auch noch ein vom Klett-Verlag ausgegliedertes Corporate Startup, der auf Fachliteratur im Schul- und Erziehungsberich spezialisierte Josef Raabe Verlag, durch einen kleinen Umbau räumlich angedockt.

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Bild: Gute Laune zur Eröffnung –  Ines Aufrecht von der Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart und Johannes Ellenberg von Accelerate Stuttgart.

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