Förderung von Startups allein reicht nicht

Startups; Geld

Mein „Wort zum Monat“: Die allmählich heranwachsende Kultur der Startups verstehen insbesondere Politiker inzwischen als einen sehr öffentlichkeitswirksamen neuen Förderungsbereich. Aber das Aufkommen immer neuer Programme und Töpfe hat auch seine Schattenseiten.

Die tun was – das kann man in Abwandlung eines einstigen Auto-Werbeslogans sagen, wenn man auf die inzwischen sehr vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten und Fördertöpfe für Startups in der Frühphase in Deutschland und insbesondere auch in Baden-Württemberg blickt. Von den Wirtschaftförderern der Kommunen und Regionen, über Wirtschaftsinitativen wie Bwcon oder Instrumenten des Landes wie der MFG bis hin zu den etablierten Programmen wie Exist für Gründer aus der Uni heraus, sind inzwischen alle dabei, wenn es um das Thema Startups geht.   Das ist grundsätzlich sehr zu begrüßen. Und wenn es ganz nebenbei darum geht, als Förderer auch selbst etwas vom positiven Image des Gründens abzubekommen, dann ist das legitim. Für die öffentliche Wahrnehmung ist es zurzeit geradezu zwingend, auf das Thema aufzuspringen, wenn man nicht von gestern sein will.
Übersichtlich ist das alles aber schon lange nicht mehr. Man könnte  für Baden-Württemberg ein eigenes Internetportal aufmachen, in dem man  chronologisch und alphabetisch einmal alle Förderwettbewerbe oder -töpfe und alle Institutionen aufzählt, die von Karlsruhe, Stuttgart bis Ulm und von Mannheim bis Freiburg zugange sind. (Wer hier den totalen Überblick hat, kann sich gerne bei mir melden…)

Wenn man nicht aufs Ganze blickt, ist jede Initiative löblich

Ich will nicht an einzelnen Initiativen herumkritteln. Jede Unterstützung für sich betrachtet löblich, Ein strukturelles Problem gibt es allerdings: öffentliche oder  institutionelle Förderung konzentriert sich meist auf die Frühphase. Wenn eine erfolgreich angeschobene Gründung wirklich groß werden will, dann braucht es privates Risikokapital. Das gibt es – und die Förderer tun auch oft ihr bestes um hier die Anschlussfinanzierung hinzubekommen. Dennoch gibt es damit eine gewisse Schieflage, die dafür sorgt, dass manche Frühförderung am Ende verpufft. Wettbewerbe und Förderprogramme funktionieren notgedrungen anders als ein privater Venture Capitalist. Die Rechenschaftspflicht gegenüber den Geldgebern führt zu formalisierten, manchmal bürokratischen Prozessen, welche die Beweglichkeit privater Investoren nie erreichen können. Nun ist das alles durchaus sinnvoll, wenn man sagt, dass es in Deutschland eben (noch) nicht eine genügend große, kritische Masse an diesen risikobereiten Investoren gibt. Ich würde auch nicht dafür plädieren, dass sich diese Förderer zurückziehen. Aber vieles ließe sich besser bündeln und koordinieren. Der Effekt wäre größer – nicht jeder muss  separat auf der  Startup-Party mittanzen.

Der Staat soll in Deutschland nun auch bei Startups mitmischen

Dennoch sehe ich hier zu Lande ein kulturelles Problem: Wir sind einfach zu sehr gewöhnt, dass der Staat oder die öffentliche Hand zuständig ist. Das hat positive Seiten, birgt aber auch das Risiko, dass private Initative nicht so aufblüht wie sie könnte. Förderprogramme können gelegentlich in Konkurrenz zu privaten Projekten treten. Wenn der staatliche Topf bereitsteht, verläuft vielleicht die Suche nach einem (manchmal anstrengenden) privaten Investor erst einmal nicht so intensiv. Das Silicon Valley wurde ohne solche Töpfe groß. Dabei hat der Staat sehr wohl eine Rolle gespielt! Er tat dies beispielsweise über die intensive Förderung universitärer Forschung und deren enge Verzahnung  mit privaten Firmen. Und darin sehe ich die eigentliche Rolle von Steuergeld bei der Etablierung einer erfolgreichen Gründerkultur: Ausbildung, Forschung und Infrastruktur sind Bereiche, die nicht privatwirtschaftlich funktionieren. Dort ist jeder Euro sinnvoll angelegt.  Aber während allerorten neue Fördertöpfe aufblühen – zuletzt etwa in einer Forschungsinitiative des Bundes, die kleine und kleinste Unternehmen in das Zeitalter von Industrie 4.0 bringen will – fehlt es in Deutschland bei der großen Infrastruktur bis hin zum Breitbandausbau an allen Ecken und Enden. Das hat auch damit zu tun, dass es beim Thema Bildung und Infrastruktur gleich um sehr viel Geld geht. Ein  neuer Fördertopf macht hingegen genauso viele positive Schlagzeilen – und kostet im Zweifelsfall nur Millionen und nicht Milliarden. Aber welches Startup würde schon kritisieren, wenn sich irgendwo ein neuer Fördertopf auftut, an den man selbst womöglich einmal heranwill? Dennoch ist es an der Zeit, hier die Debatte über  sinnvolle staatliche Prioritäten zu führen.

Dieser Text erscheint im Rahmen einer monatlichen Kolumne auch auf Startup Stuttgart.

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Bild: EZB

2 Kommentare zu "Förderung von Startups allein reicht nicht"

  1. Toller Artikel, der die aktuelle Situation sehr gut wieder gibt. Auf das Durcheinander hinsichtlich der EU-Förderprogramme musste dabei nicht einmal eingegangen werden.
    Ein Beispiel für eine m.E. gelungene Förderinitiative ist das Startup Village in Kochi – in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen dem Bundesstaat Kerala mit einem der bekanntesten und beliebtesten lokalen Startups (mobme).
    http://www.startupvillage.in/
    Ich würde mir wünschen, dass ifex, MFG und co. sich daran orientieren und erfolgreiche Gründer mit Vorbildfunktion mit an Bord bringen und für ein Gefühl des Mit- und nicht Gegeneinander sorgen.

    • Ein Beispiel aus Indien – das finde ich wirklich gut! Danke für den Hinweis. Ich glaube es ist an der Zeit, den Horizont zu weiten, wenn es weltweit um die Suche nach guten Ideen geht.

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