Region Stuttgart – Hilfen für Startups Teil 2

Region StuttgartStadtzentrum Stuttgart; Foto. Konstantin Polakov, Wikipedia

Hier folgt der zweite Teil meines Versuchs,  in den Förderdschungel zum Thema Gründen und Startups in der Region Stuttgart einige Schneisen zu schlagen. Teil 1 ist am 8. Februar  erschienen.

 

FINANZEN: FÖRDERKREDITE UND INVESTOREN

Die meisten Gründer kommen zum Start mit ihren  Ersparnissen aus. Für diejenigen, die ambitionierter sind, gibt es  zwei Wege der Hilfestellung. Einerseits sind dies meist von der öffentlichen Hand finanzierte Förderkredite, die über die Hausbanken – meistens  Volksbanken oder Sparkassen – vermittelt werden.  Sie sollen deren  Risiko mindern.  Andererseits gibt es Institutionen,   die den Kontakt zu Investoren und Risikokapitalgebern erleichtern.
Die in Landesbesitz befindliche Förderbank L-Bank und  die  in öffentlich-privater Partnerschaft agierende Bürgschaftsbank sind Anbieter von Förderkrediten. Die L-Bank bietet beispielsweise eine Gründungsfinanzierung, die vor allem Investitionskosten abdeckt oder eine Startfinanzierung 80 genannte Förderung von Existenzgründungen binnen fünf Jahren nach dem Start. Die Bürgschaftsbank deckt, wie der Name schon sagt, Risiken für die Hausbanken ab und erlaubt so beispielsweise Leasingfinanzierungen. Als Bundeseinrichtung ergänzend zu nennen ist hier als wichtiger Partner auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Andere Instrumente, die etwa die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) im Köcher hat, gehen in Richtung Direktinvestition.   Die MBG ist eine  geförderte öffentlich-private Kooperationseinrichtung – an ihr sind L-Bank, Bürgschaftsbank aber auch  Industrie- und Handelskammern beteiligt. Der MBG Risikokapitalfonds  ermöglicht etwa eine stille Beteiligung. Der Seedfonds BW erlaubt Entwicklungsprojekte mit einer Kombination aus offener Beteiligung und Nachrangdarlehen. Daneben gibt es den wachstumsorientierten VC Fonds BW, der anwendungsnahe Innovationen unterstützt. Auch die L-Bank kann bei bereits gut entwickelten Gründungen über ihre Eigenkapitalagentur L-EA zum Förder-Investor werden oder beteiligt sich in Partnerschaft mit der MBG. Eine Kapitalbeteiligung an viel versprechenden Unternehmen bietet  auch eine Tochtergesellschaft der nicht als  Förderbank, sondern als Geschäftsbank auftretenden Landesbank Baden-Württemberg, die  LBBW-Venture Capital GmbH. Diese Institutionen kooperieren  mit dem bundesweit als Partnerschaft von öffentlicher Hand und Unternehmen konzipierten  High Tech Gründerfonds, an dem etwa mit Bosch und Daimler auch große Firmen aus dem Land beteiligt sind.
Daneben gibt es  Vereine und Plattformen, die sich ohne eigenes Gewinninteresse als Türöffner für den Zugang zu privaten Investoren sehen. Beim Zugang zur Frühphasenfinanzierung hilft die Wirtschaftsinitiative Bwcon, die auch einen so genannten VC-Stammtisch für Investoren organisiert. Die  Business Angels  der Region Stuttgart (BARS)  führen Gründer mit Kapitalgebern zusammen. Das von der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart getragene Programm HiTURs sieht es als  seine Aufgabe, junge Technologieunternehmen mit  Kapitalgebern zu vernetzen.    2015  waren  die Hochschule Esslingen und die Hochschule der Medien in Stuttgart die Partner.
Landesweit agiert das viele der hier  genannten Akteure umfassende  Netzwerk für Beteiligungskapital VC-BW. Dessen alljährliche Veranstaltung Venture Capital-Pitch Best of Baden-Württemberg kombiniert Wettbewerb und Kontaktplattform für Start-ups und Investoren – hier geht es aber schon um Beträge ab 300 000 Euro aufwärts. Eine  auf die Region Rhein-Neckar ausgerichtete  Plattform für die Verbindung zwischen Start-ups, Mittelstand und Investoren ist auch das in Heilbronn ansässige Venture Forum Neckar. Exemplarisch seien auch  die privatwirtschaftlichen, in Stuttgart ansässigen   Investoren von Dr.Engelhardt, Kaupp, Kiefer und   die auf Frühphaseninvestitionen spezialisierte Grazia Equity erwähnt.

 

BERATUNG: EXPERTEN, TRAINER UND MENTOREN

Das Thema Beratung, Training und Betreuung ist ein weites Feld, auf dem die Anzahl der beteiligten Institutionen am größten ist. Zu nennen sind die umfangreichen, branchenübergreifenden Angebote der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammern – unter anderem im Rahmen des von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geförderten Gründercoaching Deutschland. Es gibt die Steinbeis-Beratungszentren für den Wissens- und Technologietransfer,  die Beratungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Mittelstand und Handwerk (BWHM) oder  das von der Wirtschaftsförderung Stuttgart betriebene Gründerbüro.
Die Initiative Bwcon sowie die Wirtschaftsförderung der Region und der Stadt  Stuttgart bieten ebenfalls Einzelveranstaltungen an   – letztere in Kooperation mit dem der Mittelstands- und Gründerförderung dienenden Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Wirtschaft RKW-Baden-Württemberg. Ehrenamtlich unterwegs sind die Mitglieder des Vereins Senioren der Wirtschaft, über den Fachleute im Ruhestand ihre Dienste anbieten. Wer sich Rat einkaufen will, den unterstützt das  Land   mit  Exi-Beratungsgutscheinen.  Hilfe für Start-ups bieten etwa die Stuttgarter Berater von Wert8 an.
Daneben existieren eine Reihe von branchenorientierten Institutionen, die sich zwar nicht allein an Gründer richten, aber auch für diese Hilfestellungen bieten. Wenn man sich allein auf Institutionen mit Stammsitz im Großraum Stuttgart beschränkt, stößt man   auf die im den Biotech-Bereich tätigen Organisationen Bio Pro und Bioregio Stern; es gibt die Initiativen Leichtbau BW, Umwelttechnik BW sowie das von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg organisierte Netzwerk Kreativwirtschaft. Dazu kommen Branchenangebote wie die des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga.
Den Übergang zum privatwirtschaftlichen  Engagement bilden die Accelerate Spaces der  Firma Accelerate Stuttgart und der  Startup Campus Stuttgart. Hier will man mit der Infrastruktur,  Vorträgen und Seminaren Geld verdienen – sieht das Angebot aber auch als Baustein für die lokale Start-up-Kultur. Zudem gibt es die vom IT-Dienstleister GFT in Stuttgart betriebenen Code-n Spaces, in denen externe Start-ups unterkommen.   Gründerzentren mit vergünstigter Miete gibt es auch in Böblingen/Sindelfingen (Softwarezentrum) und in Kornwestheim (Techmoteum).
Eine innovative Form der Gründerhilfe sind die so genannten Acceleratoren. Sie bringen in einem straffen Programm Start-ups  von der Rampe. Die Übergänge zwischen Förderung und privatwirtschaftlichem Angebot sind fließend. Das von Bwcon organisierte Programm Arena42  hat eher den Charakter eines Förderwettbewerbs. Accelerate Stuttgart lässt sich mit  Unternehmensanteilen bezahlen. Zudem gibt es in Stuttgart   einen neuen Accelerator namens Startec, der sich an Gründer aus dem Hochschulumfeld richtet.

 

HOCHSCHULEN: EINE EIGENE GRÜNDERWELT

Hochschulen verdienen beim Thema Gründerförderung wegen ihrer einzigartigen Stellung an der Schnittstelle zwischen Ausbildung, Technologieentwicklung und Gründer-Begleitung ein eigenes Kapitel. Alle Hochschulen der Region Stuttgart sind an diesem Punkt aktiv. Dies beginnt mit  Lehrstühlen, die auf Gründerthemen ausgerichtet sind, beispielsweise an der Universität Hohenheim,  der Hochschule für Technik und gleich  zwei an der Hochschule der Medien in Stuttgart (Nummer eins und Nummer zwei). Es setzt sich mit Anlaufstellen für die Gründerberatung sowie  Programmen und Veranstaltungen fort, die auch ganz praktisch zum Gründen motivieren und dazu anleiten wollen. Dazu gehört etwa das innovative Lehrformat der   Startup Garage der Universität Hohenheim und die  Studierendeninitiative Startup Hohenheim. An der Hochschule der Medien gibt es das Startup Center Generator, an der Hochschule Esslingen den Gründerstall. Die Hochschule für Technik in Stuttgart hat unter dem Namen Contact-AS einen Gründerverbund mit  der Hochschule Nürtingen-Geislingen.
Ein wichtiges Thema für Gründungen aus der Wissenschaft heraus ist der Wissens- und Technologietransfer,   dem sich beispielsweise die Universität Stuttgart mit ihrer Technologie-Transfer-Initiative GmbH (TTI) widmet. Auch der in Stuttgart beheimatete Wirtschaftsverbund der Steinbeis Stiftung hat dies als zentrale Aufgabe und kooperiert dabei eng mit den Hochschulen. Die Wirtschaftsförderung der Region steht zusammen mit insgesamt 100 Partnern hinter dem Netzwerk Push, das nicht nur  einen Wettbewerb für Start-ups aus den Hochschulen veranstaltet, sondern sich umfassend an Gründungsinteressierte aus der Wissenschaft richtet.
Nahe an die Start-up-Kultur heran rückt  das bereits  im Kapitel Beratung erwähnte  Acceleratoren-Programm Startec, bei dem die Universität Stuttgart, die HdM, das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation sowie die Wirtschaftsförderer von Stadt und Region kooperieren. Auch hier gibt es übrigens einen öffentlichen Wettbewerb – die Startec Demo Days.
Finanzielle Zuschüsse für Gründer an den Hochschulen bietet im Rahmen des Programms Junge Innovatoren das Wissenschaftsministerium des Landes an. Das wichtigste und viel genutzte Anschubvehikel für hochschulnahe Gründunen ist allerdings das Bundesprogramm Exist.

Teil 1  ist mit den Kapiteln Wettbewerbe und Netzwerken am 8.2. erschienen; diese Übersicht wird Mitte Februar auch in der Wirtschaftszeitung Baden-Württemberg der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten publiziert.

1 Kommentar zu "Region Stuttgart – Hilfen für Startups Teil 2"

  1. Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Als Gründer ist es unmöglich, sämtliche Programme zu kennen. Ich bin auf der Suche nach jemandem, der hier wirklich den Überblick hat und würde dafür auch Geld bezahlen. Denn ich habe den Eindruck, dass die Kriterien so komplex sind, dass kaum ein Startup eine nützliche Förderung erhält.

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*