Steinbeis-Arena: Geld oder Ideen?

Steinbeis-Arena

In der diesjährigen Steinbeis-Arena der gleichnamigen Stiftung zum Thema Start-up-Finanzierung haben Experten die Stärken von Baden-Württemberg ins Licht gerückt. Doch es gibt auch einige Zweifel, ob nicht neue Impulse nötig wären.

Die Frage, die in der dritten Runde der Steinbeis-Arena in Stuttgart rund um das Thema Finanzen kontrovers diskutiert wurde, ist in Baden-Württemberg ein Dauerbrenner: Sollte sich das Land bei der Gründerkultur eine Scheibe wenn schon nicht  vom Silicon Valley, dann  wenigstens von der  Start-up-Metropole Berlin abschneiden? Dort laufen   risikobereite  Investoren jeder halbwegs brauchbaren Idee hinterher. Und wenn etwas schiefgeht, ist es halb so schlimm.
Oder hat das Land seine eigenen Stärken, die  viel zu oft vergessen werden? Dazu gehören technologische Kompetenz, solide, langfristige Planung und ein kulturell tief verankertes Misstrauen gegen  Hirngespinste. Die veranstaltende, dem Technologietransfer verschriebene Steinbeis-Stiftung hatte dies unter das provokative Motto gestellt: „Das Geld ist da – wo bleiben die passenden Ideen?“

Ist die vermeintlich fehlende „Kultur des Scheiterns“ ein Klischee?

Zu den Verteidigern der südwestdeutschen Gründerkultur gehörte  Alex von Frankenberg, der Geschäftsführer des deutschen High-Tech Gründerfonds, an dem auch große Firmen aus dem Land  beteiligt sind. „Der Slogan vom kreativen Scheitern ist  ein Klischee“, sagte er: „Viele unserer Antragssteller haben kein sinnvolles Geschäftsmodell. Die bekommen zu Recht kein Geld.“  Auch Christine Gysin-Rosenberger, Bereichsleiterin der ­L-Bank, zu deren Auftrag die  Gründerförderung gehört, verteidigte die Banken  gegen den Vorwurf der Risikoscheu: „Wir haben andere Anforderungen als ein Investor. Der riskiert sein eigenes Geld. Als Bank verwalte ich das Geld der Sparer und Aktionäre.“
Den Kontrapunkt formulierte Axel Wittig,  von der 2008 mitten in der Finanzkrise gegründeten, oberschwäbischen Werkzeugmaschinenfabrik Webo: „Das ist ein sehr enges Korsett und ein sehr konservativer Ansatz für die Zukunft.“ Die Banken sollten einen Prozentsatz ihrer Investments als  Spielgeld mit höherem Risiko, aber auch größeren Chancen betrachten. Kapital sei für  die Technologiegründungen in Baden-Württemberg  wichtiger als im Softwarebereich: „Um zu starten, haben wir  1,5 Millionen Euro für Werkzeuge gebraucht.“ Ohne ein von allen Beteiligten, auch den Banken mitgetragenes, kreatives Modell, bei dem  die Kredite nach Auftragseingang Schritt um Schritt freigegeben wurden, hätte die – inzwischen mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnete – Geschäftsidee nie geklappt.

In der Steinbeis-Arena sehen nicht alle die Banken negativ

Thomas Villinger vom Zukunftsfonds Heilbronn, der  Risikokapitalgeber und Start-ups zusammenbringt, brach hingegen eine Lanze für die Banken: „Die Banken haben ihre Rolle erst später in der Unternehmensentwicklung. Unsere Kapitalszene im Land ist exzellent.“ Es gebe  immer mehr mittelständische Firmen, die Kapital zur Seite legten, um in Start-ups zu investieren.    Berlin mache die Show, aber Baden-Württemberg habe das Geld. Guy Selbherr, der Geschäftsführer der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft und der Vorstand der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, sah es differenziert: „Uns würde im Land eigentlich der größte Risikokapitalfonds in Deutschland gut zu Gesicht sehen. Doch der ist – ich muss es leider sagen – in Bayern.“ Den habe die dortige Landesregierung mithilfe von  Privatisierungserlösen aufgebaut.
Der einzige Gründer unter den Diskutanten, Eleftherios Hatziioannu vom Stuttgarter Start-up Smoope, das eine Kommunikationsplattform für den Kundenservice von Firmen anbietet, nannte die Entscheidung, im Land zu bleiben,  absolut richtig: „Wenn Sie sich an Firmenkunden richten, gibt es keinen besseren Standort.“  Das Problem sei eher, dass die  Stärken des Landes nicht genug nach außen kommuniziert würden. „Es gibt auch zu viele, die ihr eigenes Süppchen kochen“, sagte er: „Wir  sind anders. Wir sollten von anderen Gründer-Ökosystemen lernen, aber unseren eigenen Weg gehen.“  Und der  an der Debatte teilnehmende Uhinger Steuerberater Heinz Liebrich formulierte das  Fazit so: „Wir sollten   einfach  weniger jammern.“

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