Technologietransfer: Mittelstand hinkt hinterher

Technologietransfer

Grund zur Sorge für Nils Schmid, den Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg: kleine und mittelgroße Unternehmen melden im Land immer weniger Patente an. Ein neues, 120 Millionen Euro schweres  Programm zum Technologietransfer mit vielen Beteiligten aus Verwaltung, Gewerkschaften, Verbänden und Forschung soll dabei helfen, dass Baden-Württemberg an der Spitze bleibt.

Die Zahlen, die der Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) auffährt, um die Innovationskraft seines Bundeslandes zu beschreiben, könnten rosiger nicht sein. Überall steht das Ländle an der Spitze: laut Innovationsindikator des Bundesverbands der Deutschen Industrie und der Deutschen Telekom Stiftung, liegt Baden-Württemberg deutschlandweit ganz vorne, im internationalen Vergleich sind nur die Schweiz und Singapur innovativer. Und ein  Innovationsindex des Statistischen Landesamts sieht Baden-Württemberg unter den europäischen Regionen ganz vorne, vor dem Erzrivalen Bayern und der Region rund um Paris.
Es gibt aber auch andere Zahlen und die dürften dem Wirtschaftsminister und erklärten Mittelstandsförderer weniger gefallen: Laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung  fällt der Mittelstand in Deutschland gegenüber den Großunternehmen zurück, was Innovationen angeht. Während Großunternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung zwischen 1995 und 2013 um 214 Prozent gesteigert haben, waren es bei kleineren Unternehmen  lediglich 34 Prozent. Bezogen auf den Umsatz  erhöhten die Großunternehmen ihre Innovationsausgaben von drei auf 4,7 Prozent, während sie bei kleinen und mittleren Unternehmen von 2,7 auf 1,8 Prozent sank. Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zeigt zudem,  dass die Zahl der Patentanmeldungen von kleinen und mittleren Unternehmen aus Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Das Institut sieht die Spitzenstellung des baden-württembergischen Mittelstands in Gefahr. Nils Schmid formulierte es vorsichtiger: „Andere holen auf, wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen.“

Neuer Wirtschaftsdialog zum Thema Technologietransfer

Hilfe verspricht Schmid sich von einem  Wirtschaftsdialog, an dem in den vergangenen beiden Jahren knapp 30 Personen aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Verwaltung beteiligt waren. Das Ergebnis der Gespräche präsentierte Schmid am Freitag im Wirtschaftsministerium.  Es ist ein 20-Punkte-Programm zur Stärkung von Technologietransfer und Vernetzung, das sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen richtet. Das Ministerium stellt in den nächsten fünf Jahren insgesamt rund 120 Millionen Euro zur Verfügung, davon etwa 20 Millionen pro Jahr für den Ausbau der wirtschaftsnahen Forschungsinfrastruktur, beispielsweise für neue Fraunhofer-Institute. Nichts Neues  sind die Manager für Technologietransfer, die bei Kammern und regionalen Wirtschaftsförderern angesiedelt sind und Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ermöglichen sollen. Sie werden vom Ministerium bis 2020 mit weiteren fünf Millionen Euro gefördert. Kleine und mittelgroße Unternehmen können auch weiterhin Fördermittel bekommen, wenn sie sich externe Innovationsberater ins Haus holen.
Ein weiterer Punkt ist die bessere Vernetzung zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Zentren für angewandte Forschung an den Hochschulen sollen vom Wissenschaftsministerium bis zum  Jahr 2022 mit 34 Millionen Euro gefördert werden, zusätzlich sollen gezielt Forschungseinrichtungen im ländlichen Raum Geld erhalten – insgesamt 14 Millionen bis zum Jahr 2020.
Hugo Hämmerle, der Sprecher der Innovationsallianz Baden-Württemberg betonte, dass bislang nur 20 Prozent der Unternehmen mit Forschungseinrichtungen kooperierten. Die Innovationsmanager könnten dabei helfen, diesen Anteil auf 30 Prozent anzuheben. Gert Adler, der stellvertretende Geschäftsführer der IHK Karlsruhe pflichtete ihm bei: „Wer in der Industrie nicht auf Innovation durch Forschung setzt, ist schnell weg vom Fenster.“

Kommentar hinterlassen zu "Technologietransfer: Mittelstand hinkt hinterher"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*