Trauen die Deutschen Gründern nicht über den Weg?

Gründer; Kuckertz

Für die Stuttgarter Zeitung habe ich mich mit dem Gründer-Professor Andreas Kuckertz von der Universität Hohenheim über seine aktuelle Studie „Gute Fehler schlechte Fehler – wie tolerant ist Deutschland gegenüber gescheiterten Unternehmern“ unterhalten. Hier exklusiv im Netz meine Kommentierung der Ergebnisse:

Kultur des Scheiterns – das sagt sich so leicht. Und manches Mitglied der Start-up-Szene kann dieses Schlagwort, das  von den Amerikanern fröhlich zum Goldstandard für wahres Unternehmertum stilisiert wird, nicht mehr hören. Dort würde man lieber von einer Kultur der zweiten Chance sprechen.  Egal wie man es bezeichnet:  Neue Ideen, welche die deutsche Wirtschaft dringend braucht, werden ohne Mut zum Risiko nicht funktionieren.  Scheitern gehört dazu. Aber auch wenn es inzwischen modisch ist, über Start-ups, möglichst  aus der wilden deutschen Gründer-Hauptstadt Berlin, zu schreiben: Die deutsche Gesellschaft insgesamt ist noch nicht ansatzweise an dem Punkt, dass sie begreift: Für Gründungen im 21. Jahrhundert gelten andere Gesetze als für konventionelle Unternehmen, für welche die meisten  arbeiten. Es geht um Tempo, Visionen, Risiko – nicht um die Weiterentwicklung des Status Quo. Und so ist die Tatsache, dass in der aktuellen Studie der Universität Hohenheim die Antwort auf die Frage, ob  ein Geschäftskonzept auch einmal schief gehen dürfte, so negativ ist, eine  ernüchternde Erkenntnis.  Nur noch eine fehlende Unternehmensvision wird schlechter beurteilt. Doch beides gehört zusammen: Wer eine Vision hat, der wagt sich eben genau auf das Terrain unerprobter Geschäftsmodelle –  die dann ganz selbstverständlich auch einmal schief gehen können. In der deutschen Mentalität, so klischeehaft das  klingen mag, steckt eben eine tief greifende Aversion gegen das Risiko.  Ja, Gründer vor allem in der Digitalwirtschaft gelten schon  irgendwie als cool. Zu diesem Image haben sowohl die traditionellen wie die sozialen Medien in den vergangen Jahren beigetragen. Doch Gründer sind keine Exoten. Sie müssen  mit ihren nicht immer geradlinigen Geschichten  auch in der Mitte der Gesellschaft  besser verstanden und akzeptiert werden. Noch hat eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung aber offenbar nicht begriffen, dass das Thema sie selbst angeht und sie  ihre  Einstellung zum Unternehmertum hinterfragen sollte.

1 Kommentar zu "Trauen die Deutschen Gründern nicht über den Weg?"

  1. schmidt, RObert c. | 3. September 2015 um 00:46 | Antworten

    How much social disapproval there is to failure? In the Texas oil business everyone is
    expected to go bankrupt once or twice. and start over.
    JP Morgan and Edison were against alternating current for a long time, finally
    they had to accept that it was ideal for transmitting electricity long distances.
    Most of the early auto companies went bust, many of them with excellent product,
    like the Stanley Steamer, the Cord, the Dusenberg etc. I think we have forgotten how
    many failures there were in the telephone development and Bell beat Gray to the patent office by hours.

    The good idea probably will survive even tho multiple developers will stumble and fall. The 1870’s saw a great number of railroad companies fail due to a vast amount
    of overbuilding of lines. Also we had a depression back then too.
    rcs

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