OMM Solutions: Von der IT-Innovation zur Beratung

OMM Solutions

Das wahre Startup-Image hat nur derjenige, der eine Innovation auf den Markt bringt. Aber  das Stuttgarter Dreierteam von OMM Solutions, das einst mit einer neuartigen Verhandlungs-Software an den Markt wollte, lebt nun von IT-Dienstleistungen. So hatte ihre  Gründung das, was wirklich zählt – wirtschaftlichen Erfolg.

Beratung und Projektarbeit sind einfacher zu Handhaben als eine innovative Produktentwicklung. Das ist, in einen einfachen Satz gepackt, die Lektion welche Martin Allmendinger und die Brüder Olaf und Malte Horstmann gelernt  haben. Sie begannen mit einem Unternehmen, das eine Software für Verhandlungsführung etablieren wollte. Herausgekommen ist eine  Firma namens OMM Solutions, die Innovations- und Technologieberatung anbietet.  Nur der Namen der Firmenwebseite erinnert noch an die aus einem universitären Forschungsvorhaben hervorgegangene Firma Enpatech, die eigentlich das entwickelt hatte, was überall gefordert wird: Ein System zur Digitalisierung eines bisher analogen Geschäftsprozesses. Anhand von Daten und Algorithmen hätte die Software ganz ohne Bauchgefühl des Verhandlers eruieren können, wann etwa bei einem Verkaufsgespräch die Zielvorgaben optimal erfüllt sind. Doch der Sprung war wohl zu groß, technologisch und organisatorisch, Irgendwann liefen die Fördergelder aus, ein Investor fehlte. Die um viele Erfahrungen etwa mit unternehmensinternen Entscheidungsprozessen reicher gewordenen Gründer mussten sich neu orientieren. IT-Beratung war für sie bereits ein Nebengeschäft, nun wurde sie zum Fokus. Zu erfolgreichen Gründern sind sie damit doch noch geworden.

Das Beratungsgeschäft expandiert bei OMM Solutions schrittweise

„Im Beratungsgeschäft kannst du organisch wachsen“, sagt Olaf Horstmann, einer der drei Teammitglieder. Damit ist eine schwierige Hürde weg, an der viele Gründungen scheitern.  Nicht  schnell ausbaubedürftige Vertriebswege diktieren bei OMM Solutions den Takt, sondern das Wachstum  geschieht Einzelauftrag um Einzelauftrag.  Die Erfahrung der drei Gründer, der für das große Projekt mit der Lizenzsoftware am Ende der Finanzier fehlte, sagt auch viel darüber aus, wie Innovation und Entscheidungswege in etablierten deutschen Unternehmen funktionieren. Die Berater kommen und gehen . (Und kommen, wenn sie gute Arbeit gemacht haben, vielleicht für einen anderen Auftrag wieder.) Eine Software, die das Dreierteam ursprünglich als Lizenzprodukt vertreiben wollte,  bleibt hingegen ein paar Jahre im Unternehmen. Sie braucht Einarbeitung und technischen Support. Sie ist also etwas, mit dem sie sich diejenigen, die sie  eingekauft haben, eine ganze Weile herumschlagen müssen und an deren Erfolg sie  längere Zeit gemessen werden.
Es geht also bei der Frage, warum Beratungstätigkeiten vergleichsweise lukrativ sind, und es im Vergleich dazu schwerer ist, ein innovatives Produkt zu vermarkten,  nicht nur um die Größe der dafür jeweils nötigen Budgets beim Kunden. Es ist innerhalb eines Unternehmens schlichtweg einfacher zu legitimieren, wenn Beratungsleistungen  Geld benötigen. Bei einem Vertrag über Anschaffungen, und sei es für eine Softwarelizenz, ist das  anders.
„Wenn ein Betriebswirtschaftler über einen Beratervertrag entscheidet, dann bewegt er sich auf vertrautem Terrain. Wenn es hingegen um die Entscheidung über eine neue IT-Technologie geht,  liegt das schon weiter weg“, sagt Martin Allmendinger.  Um es  zuzuspitzen: Ein Manager weiß und glaubt, dass Managementätigkeit wertvoll ist. Es ist schließlich auch seine eigene. Berater tun etwas ähnliches wie er selbst.  Wenn es hingegen darum geht, ob eine Technik ihren Preis wert ist, dann sind die Kriterien oft strenger. Bei der von dem Dreierteam ursprünglich entwickelten Verhandlungssoftware war eine entscheidende Hürde, dass sie nicht an einem Fallbeispiel nachweisen durften, dass ihr Produkt sein Geld wert war. Bei einem Berater nimmt man, sofern er halbwegs ordentlich arbeitet, dies einfach an.

Digitalisierung kann auch ganz klein anfangen

„Wir kannten unseren Markt nicht“, sagt Allmendinger heute,  der  neben seiner Arbeit bei OMM Solutions an der Universität Hohenheim  über das Thema Entrepreneurship in Unternehmen promoviert und in der so genannten  Gründergarage Studierenden bei der Präsentation von Geschäftsideen hilft.  Doch die  Bilanz seiner Gründertätigkeit würde er nie als Scheitern bezeichnen, sondern als Lernerfahrung. Diese hat er vor kurzem auch auf den Esslinger Fuck Up Nights geteilt, wo Gründer an ihrem konkreten Praxisbeispiel erzählen, was bei ihnen schief lief. Bei dem Beratungsunternehmen laufen die Dinge nun rund. Das Dreierteam legt  Wert darauf, IT-Probleme bis hin zur Programmierung aus einer Hand lösen zu können. OMM Solutions wird als Partner auch bei größeren IT-Projekten hinzugezogen. „IT-Leute sind nämlich Mangelware“, sagt Olaf Horstmann. Das Geschäft läuft so gut, dass das Team nun um vier bis fünf zusätzliche Leute aufgestockt werden will. Ein ausreichend großes Büro im Stuttgarter Gewerbegebiet Schelmenwasen ist bereits bezogen.
Wer mit einsteigt, der wird sich ab und zu auch mit digitalen Herausforderungen auseinandersetzen dürfen, die bei Schlagworten wie Industrie 4.0 und Big Data manchmal vergessen werden. „Viele kleine inhabergeführte Unternehmen sind überhaupt noch nicht im IT-Zeitalter angekommen“, sagt Allmendinger. Die digitale Revolution beginnt da schon damit, dass der Junior, der die Firma bald übernehmen will, darauf pocht, dass Rechnungen nicht mehr per Fax verschickt werden. Ein echter Sprung in die Zukunft ist es bereits, wenn OMM Solutions ein solches System einführt – ökonomischer Mehrwert kann also  klein anfangen. Martin Allmendinger findet, dass solche Geschichten es jenseits des Startup-Hypes verdient hätten, mehr gewürdigt zu werden: „Aus Berlin gibt es nur die großen Schlagzeilen  über erfolgreiche Investorenrunden – wenn  die entsprechende Firma dann ein Jahr später schließt und dreißig Arbeitsplätze abbaut, ist die Meldung ganz klein.“

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Bildquelle: OMM Solutions

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