Was läuft auf dem neuen Stuttgarter Startup Campus?

Startup Campus

Winfried Richter wirkt auf den ersten Blick nicht, als komme er aus einem der neuesten Stuttgarter Startup-Biotope. Der 51-Jährige erscheint von seinem Auftreten eher wie ein Ingenieur oder Manager aus einem mittelständischen, schwäbischen Unternehmen. Und da ist auch etwas dran: Über Jahrzehnte war er bei renommierten Unternehmen in der Region tätig. Doch er hat  sich entschieden, noch einmal neu anzufangen.  „Vor kurzem habe ich einmal bei einem Ausflug auf den Roten Berg in Obertürkheim ins Neckartal geblickt: Überall wuselt es, überall ist etwas in Bewegung. Manchmal glaube ich fast, dass wir zurzeit zu gut und zu erfolgreich sind,“  sagt er.  Als Geschäftsführer des gerade im Aufbau befindlichen Stuttgarter Startup Campus  will er seinen Teil zu einem anstehenden, radikalen Umbruch beitragen: „Wir denken hier immer noch in der Kategorie von Produktinnovationen. Aber künftig wird die Wertschöpfung vielleicht in einer Datei stecken.“ Der Startup Campus soll zum Baustein für eine lokale „Community“ werden, die Menschen mit kreativen Ideen und etablierte Unternehmen mit einander vernetzen soll.  „Daran, dass wir einen Tagespass für schon für zehn Euro anbieten, erkennt man, dass wir die Schwelle möglichst niedrig halten wollen“, sagt Richter. Im  Kulturpark Berg hat der Ende Juni offiziell eröffnete Startup Campus auf 600 Quadratmetern ein besonderes Ambiente. Auf dem Gelände eines alten Militärkrankenhauses hat sich zwischen den alten Bäumen schräg gegenüber schon ein Edel-Italiener etabliert. Das Umfeld soll neben Büros und Begegnungsmöglichkeiten für Start-ups auch für Workshops und Veranstaltungen von etablierten Unternehmen einen attraktiven Treffpunkt bieten. „Wenn sich dann die Teilnehmer mit unseren Gründern beim Mittagessen treffen“, ist das genau das, was wir wollen“, sagt Richter. Der Start-up-Campus will als Wirtschaftsunternehmen  Geld verdienen, ist also kein Förderprogramm.

Das  Geschäftsmodell des Startup Campus hat vier Säulen

Das Geschäftsmodell ruht auf vier Säulen: Erstens einer Mitgliedschaft, die Zugang zu den Räumlichkeiten bietet und die sogar tagesweise gebucht werden kann. „Das ist ein wenig wie im Fitnessstudio: Sie können an die Geräte, aber ihr Handtuch müssen sie selber mitbringen“, sagt Richter. Das richtet sich an Menschen mit Ideen, die noch ganz am Anfang stehen – und die sich nicht immer bei Starbucks oder in einem Keller treffen wollen. Das zweite Standbein ist ein klassischer Coworking-Space.  Partner ist  hier Harald Amelung, der mit Coworking0711 als erster in Stuttgart einen solche in anderen Startup-Metropolen wie Berlin bereits weit verbreiteten, flexiblen Büroraum betreibt. Dort sind etwa die Geschäftsadresse und ein wenig Logistik, wie das Entgegennehmen von Paketen,  inklusive. Am ersten Standort im Stuttgarter Westen ist das bisher vor allem bei Selbstständigen, Freiberuflern und Einzelgründern populär. Auf dem Startup Campus will Amelung aber testen, ob sich hier der Community-Gedanke intensiver  verwirklichen lässt. Die Raummiete ist deshalb etwas teurer. Angebot Nummer drei sind Büros für Start-ups, die sich für ihre meist zwölf bis 18-monatige Anlaufphase fest auf dem Campus ansiedeln. Die Betreiber des Campus  bieten ihnen auch Mentoring etwa zu den Punkten Marketing, Recht und unternehmerisches Denken an. Informell kann jeder von der Expertise des Umfelds profitieren. Dazu gehören  auch regelmäßige Bildungs- und Informationsveranstaltungen. Diese Startup Campus Academy, die der vierte Baustein des Konzepts ist,  bietet für bis maximal 20 Teilnehmer zumeist vierteilige Kurse an, die Gründern ein sehr praxisbezogenes Know-how vermitteln. Hier hat der Startup Campus seine erste Etappe hinter sich.  Die ersten, ausgebuchten Kurse haben Mitte August stattgefunden. Mitte September beginnt einer neuer, bis November reichender Kurs.

 

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