Wider den Bindestrich in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg

Manchmal spürt man ausgerechnet in der zukunftsorientierten baden-württembergischen Start-up-Szene immer noch den Bindestrich zwischen den beiden Landesteilen. Die drei wichtigsten Start-up-Regionen des Landes, Karlsruhe, Rhein-Neckar und Stuttgart seien teilweise noch zu wenig vernetzt und gingen ihre eigenen Wege. Das meint jedenfalls Adrian Thoma von der Landesgruppe des Bundesverband Deutsche Startups,  den ich zum Gespräch auf dem neuen Startup Campus im Stuttgarter Osten getroffen habe. „Karlsruhe ist  ein ganzes Stück weiter als Stuttgart“, sagt er, wenn er etwa daran denkt, wie viele Vertreter der lokalen Wirtschaft dort bereits auf Events der Start-up-Szene auftauchen.  Dabei habe die Region Stuttgart ein mindestens so großes Potenzial und habe in jüngster Zeit große Fortschritte gemacht, sagt Thoma. Zu nennen sind Projekte wie der Startup Campus bei der Merz-Akademie, die Accelerate-Spaces im Stuttgarter Westen oder der Campus des IT-Dienstleisters GFT Technologie auf dem Schelmenwasen in Stuttgart-Fasanenenhof.
Die Stadt Stuttgart und die Wirtschaftsförderung seien im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr engagiert. In anderen großen deutschen Städten gebe es allerdings teilweise gleich mehrere Hauptamtliche, die sich allein um das Thema Startups kümmerten: „In Stuttgart läuft es immer noch eher nebenbei.“  Etwas verwundert zeigt Thoma sich über das bisherige Desinteresse des Stuttgarter Oberbürgermeisters Fritz Kuhn an dem gesamten Thema. „Der OB ist in der Stuttgarter Startup-Szene bisher noch nirgends aufgetaucht. Das Thema scheint bisher einfach nicht auf seinem Radarschirm zu sein“, sagt Thoma. Stuttgart, so das Fazit, bleibe bisher noch unter seinen Möglichkeiten. Das liegt seiner Ansicht auch daran, dass es bisher noch nicht gelungen sei, die Vielzahl der Akteure in der Stadt unter einen Hut zu bringen.

Mehr Wir-Gefühl für Baden-Württemberg

Ziel des kleinen baden-württembergischen Zweigs des bundesweiten Interessenverbands, der ausschließlich Startups in seine Reihen aufnimmt, ist es, das Wir-Gefühl der Akteure in Baden-Württemberg zu stärken. Dabei könne Baden-Württemberg einem viel gehypten Standort wie Berlin, dank seiner sehr eigenen Start-up-Kultur durchaus das Wasser reichen. „Manches wächst hier mehr organisch und bleibt länger unter dem Radarschirm“, sagt Thoma. Er nennt das Beispiel der aus Göppingen stammenden, auf Fernwartung und Onlinemeetings spezialisierten Unternehmens TeamViewer, das im  Mai 2014 laut Wall Street Journal von der Private-Equity-Firma Permira angeblich für satte 1,1 Milliarden US-Dollar  übernommen wurde. Der baden-württembergische Ableger der Start-up-Interessenvertretung will auf die bestehenden Strukturen allerdings nicht noch eine  daraufsetzen. Man hat sich das Ziel eines besseren regionalen Austausches auf die Fahnen geschrieben. So will man dem bereits etablierten Gründergrillen in Karlsruhe und Stuttgart, einem lockeren Forum für das Netzwerken zwischen Start-ups, einen Ableger in Ulm hinzufügen. Man wolle alles dazu tun, dass sich die unterschiedlichen baden-württembergischen Gründerbiotope noch besser kennenlernen.
Erst einmal sammelt der Bundesverband Deutsche Startups Ende September im Rahmen einer Bustour  namens „Bawükommt“ quer durch Deutschland, Start-ups in Stuttgart und Karlsruhe zu einer gemeinsamen Tour ein. Eine bunte  Truppe aus 28 Personen (Start-ups, Vertreter etablierter Unternehmen, Politik und  Presse) soll sich vom 23. bis zum 27. September auf die Reise machen. Zunächst geht es zur Begegnung mit Gründern nach Köln, dann nach Hamburg und zum Finale, das auch in die baden-württembergische Landesvertretung führen wird, nach Berlin. Die Teilnehmer sollen  einen  Blick über den heimischen Zaun werfen – und auf der langen Busfahrt auch Gelegenheit zum Austausch untereinander bekommen.

 

1 Kommentar zu "Wider den Bindestrich in Baden-Württemberg"

  1. sehr schön beschrieben – sehr schön geschrieben: genauso issses und war es 😉

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