Wirtschaftsförderer als „Matchmaker“

Wirtschaftsförderer

In meiner lockeren Reihe von „Kaffeegesprächen“ mit Menschen, die das Thema Innovation in der Region umtreibt, habe ich mich heute mit Veit Haug von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) getroffen. Er ist dort für Innovationspolitik und die Kreativwirtschaft zuständig. Ich habe ihn gefragt, was seine Gedanken zum Thema bessere Gründerförderung sind. Dies muss als persönlicher Debattenbeitrag und nicht als offizielles Statement gelesen werden.

„Gründen aus der Wirtschaft“ ist ein Thema, das  ein klassisches Aufgabenfeld der Wirtschaftsförderer ist. Es bedeutet schon bisher ein „Matchmaking“ zwischen etablierten Firmen, die Know-how und Gründergeist in die Firma holen wollen,  und einem Typus von Gründern, die nicht gleich vom großen Exit oder Börsengang träumen, sondern sich gut vorstellen können, ihre Idee angedockt an ein Unternehmen zu entwickeln. „Es ist eher auch etwas für Gründer, die vielleicht in einer Lebensphase sind, wo sie etwas mehr Sicherheit – etwa für ihre Familie wollen“, sagt Haug. Auch wenn das schon bisher etablierte Praxis der Wirtschaftsförderer ist und sich so etwa einmal ein schwäbischer Spätzlehersteller  eine Startup-Idee  für eine neue Verpackungstechnik ins Haus geholt hat,  könnte dies nach Haugs Ansicht  systematischer betrieben und offensiver propagiert werden. Man arbeite deshalb an einem Konzept, das die Möglichkeit eröffnen soll, die Suche nach geeigneten Paarungen von Unternehmen und Gründern noch offensiver zu betreiben.  Eine solches Modell passt zu den  in der Region traditionell stark vertretenen Gründungen, die sich an Geschäftskunden richten und oft an produktionsrelevanten Entwicklungen arbeiten. Bei einer solchen Partnerschaft stellen Firmen beispielsweise den Gründern Infrastruktur zur Verfügung, die  diese sich selbst nicht leisten können.  Während große Unternehmen gut auf die Suche nach passenden Startups gehen können, ist dies für kleinere Firmen schwieriger.  Die Wirtschaftsförderung wolle hier  aktiver  als bisher beim Findungsprozess helfen und  dann den Weg zu Beratern, Mentoren und Fördertöpfen weisen, sagt Haug. Wie das Vertragsverhältnis zwischen etablierter Firma und Startup genau gestaltet wird, soll dann die Sache der beiden Partner bleiben. Damit ist auch die Weiterentwicklung des Gründungsunternehmens offen: Übernahme der Gründung, Investment oder Unabhängigkeit. Im Gegensatz zu Inkubatoren oder Gründerzentren beschränkt sich die Rolle der Wirtschaftsförderung  in diesem Szenario sozusagen auf die eines „Heirats-Vermittlers“. Dieses Konzept wäre dann eine von mehreren  Varianten in einem sich entwickelnden regionalen Startup-Ökosystem. Es setzt allerdings die Bereitschaft der  an der regionalen Entwicklung interessierten Politik und Wirtschaft voraus, eine solche aktivere Rolle der regionalen Wirtschaftsförderer zu finanzieren. Auch bei den parallel dazu  notwendigen Förderinstrumenten gebe es  für den Bereich außerhalb der Hochschulen noch Verbesserungspotenzial, meint Haug.

Wirtschaftsförderer wollen Menschen mit Ideen auch von außerhalb locken

Haug sieht allerdings als eine Schlüsselfrage, wie groß das Potenzial an  Gründern in der Region überhaupt ist. „Aufgrund des guten Arbeitsmarktes, der viele geeignete Gründerpersönlichkeiten aufsaugt, gibt es in der Region Stuttgart gemessen an den Potenzialen vergleichsweise wenige Gründer,“ sagt er. In der Tat: Wenn Menschen, die in der Region leben, aus verständlichen Gründen nicht so hungrig sind, dass sie das Gründungsrisiko eingehen wollen,  dann muss man verstärkt auf die vielen ideenreichen und hungrigen Menschen von außerhalb der Region zugehen. Auch  der Wirtschaftsförderer hält wie viele andere eine bessere Außendarstellung der Stuttgarter Gründerregion für notwendig. Es brauche  dazu beispielsweise auch eine größere Bereitschaft von Investoren und Risikokapitalgebern, über ihre Projekte zu reden, sagt er. Viele Erfolgsgeschichten gingen heute  schwäbisch-diskret über die Bühne.  Ein gemeinsames Dach und  ein gemeinsames Marketingkonzept für den regionalen Gründerstandort wären ebenfalls hilfreich, meint er. Das könne nach dem Vorbild der über einige Jahre mit dem Schwerpunkt Hochschulen vom Bund finanzierten PUSH-Initiative eine  Institution sein, die als Wegweiser zu der Vielzahl unterschiedlicher Förderkonzepte und Gründungsplattformen dient – und nicht sogleich den  Anspruch stellen muss, alle  Ansätze systematisch zu koordinieren.

Kommentar hinterlassen zu "Wirtschaftsförderer als „Matchmaker“"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*